Journal Club 08.03.2007

Neue Erkenntnisse zur Equinen Adenovirus-Infektion

Nachweis des Equinen Adenovirus- 1 durch PCR oder Virusisolation spricht nicht zwangsläufig für eine klinisch manifeste EADV1- Infektion.

Adenovirus-Infektionen sind häufig Ursache von Erkrankungen des Atmungsund/ oder Intestinaltraktes bei Pferden und anderen Tierarten. Teilweise sind auch mehrere Organsysteme betroffen. Bei Neugeborenen sind die schwersten Krankheitsbilder zu verzeichnen. Zwei unterschiedliche Typen des Adenovirus konnten bisher identifiziert werden: Adenovirus Typ 1 (EAdV1), häufig isoliert aus nasopharyngealen Tupferproben von gesunden wie erkrankten Pferden, und Adenovirus Typ 2 (EAdV2), isoliert aus Lymphknoten und Fäzes- von Pferden, die Erkrankungen des Respirations- oder des Intestinaltraktes aufwiesen. Bei Araberfohlen trat die Adenovirus-1-Infektion in Verbindung mit einer schweren Pneumonie und einer zeitgleichen Immunschwäche (Severe combined immunodeficiency) auf. Diese Fohlen wiesen im Vergleich zu anderen Pferden deutlich stärkere Veränderungen auf. Die Diagnose der Erkrankung gelingt leider in vielen Fällen erst im histopathologischen Untersuchungsgang post mortem.

Um eine schnelle und aussagekräftige ante-mortem Diagnose zu ermöglichen, wurden in vorliegender Studie von fünfzehn erkrankten Fohlen und von zwölf weiteren gesunden Fohlen und ihren Mutterstuten Nasentupfer entnommen. Die erkrankten Fohlen wiesen Sepsis und Diarrhoen sowie Enzephalopathien auf und waren teilweise nicht geburtsreif. Durchschnittlich waren die Fohlen ca. 17 h alt. Zusätzlich konnten 47 Rennpferde im Alter von zwei bis sechs Jahren ebenfalls in die Untersuchung mit eingebunden werden. Alle Proben wurden mithilfe der PCR auf das Vorliegen von Adenovirus Typ 1 und 2 untersucht. Bei positivem PCR-Ergebnis wurde das Virus zusätzlich auf Zellkulturen angezüchtet, bis ein zytopathischer Effekt nachweisbar war.

In der Studie konnten mittels PCR lediglich Adenovirus-1-Infektionen nachgewiesen werden. Bei allen PCR Produkten handelte es sich um identische Nukleotidsequenzen, vergleichbar mit denen der Gen-Datenbank. Bei 40 % der erkrankten Fohlen und 58 % der gesunden Fohlen wurde EAdV1 festgestellt. Zwei der erkrankten Fohlen verstarben während des Untersuchungszeitraums, wobei beide EAdV1-positiv getestet wurden, in der histopathologischen Untersuchung jedoch keine Hinweise auf eine Infektion vorlagen. Nur bei zwei der untersuchten Mutterstuten konnte per PCR eine Infektion nachgewiesen werden. Im Gegensatz hierzu gelang bei keinem der untersuchten Rennpferde ein positiver Nachweis.

Vermutlich erklären sich die Unterschiede durch die Altersdifferenzen oder durch den Einfluss der Trächtigkeit auf das Immunsystem. Ein Wiederaufflammen einer persistierenden Infektion der Mutterstuten könnte eine Erklärung für den gleichen Ursprung der Viren sein. Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass trotz der sehr sensitiven Untersuchungsmethode und der durch die PCR vermehrt aufgedeckten Infektionen keine direkte Verbindung zum klinischen Auftreten der Erkrankung nachgewiesen werden kann. Die Infektionswege bleiben weitgehend unbekannt.

(Quelle: S.A. Bell, M. Leclere, I. A. Gardner und N. J. Maclachlan (2006): Equine adenovirus 1 infection of hospitalized and healthy foals and horses, Equine Vet. J. 38 (4) 379–381.)

© Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG