Wildtier | Virologie 22.08.2017

Neues Pockenvirus

In Berlin wurde bei einheimischen Roten Eichhörnchen ein bisher unbekanntes Pockenvirus entdeckt.

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Foto: Leibniz IZW - G Wibbelt

Sehr schmerzhafte, hochgradige Entzündungen an Händen, Füßen und Ohren, die teilweise so ausgeprägt sind, dass erkrankte Eichhörnchen nicht mehr klettern können. Diese Symptome begegneten der Eichhörnchenhilfe Berlin/Brandenburg in den letzten Jahren immer wieder. Weil niemand mit dieser Krankheit Erfahrungen hatte, baten die Hörnchenhelfer schließlich das Institut für Zoo- und Wildtierforschung um Hilfe. Wildtierpathologin Gudrun Wibbelt fand bei der mikroskopischen Untersuchung rundliche Einschlüsse in den Hautzellen, die ziegelsteinförmige, an Kuhpocken erinnernde Viruspartikel enthielten. Im Robert Koch-Institut wurde das Virus isoliert und sein Genom entschlüsselt. Es handelt sich um eine neue Art, nur entfernt verwandt mit anderen Pockenviren.

Keine Gefahr für andere Arten
Das Virus zirkuliert im Berliner Raum wohl seit über zehn Jahren. Es scheint nur Eichhörnchen gefährlich zu werden. Die Eichhörnchenhilfe berichtet auf Facebook, sie habe in den letzten Jahren bereits über hundert erkrankte Jungtiere behandelt. Trotz des recht engen Kontaktes steckten sich weder Pflegepersonen noch Haustiere an. Auch ältere Eichhörnchen werden nicht befallen.

Die Grauen können nichts dafür
Aus Großbritannien ist bereits ein Pockenvirus bekannt, das dort von aus Amerika eingeschleppten Grauen Eichhörnchen übertragen wird und an dem die einheimischen Roten Eichhörnchen erkranken. Beim Berliner Eichhörnchenvirus handelt es sich allerdings um eine andere Art. In Deutschland gibt es auch gar keine Grauen Eichhörnchen, nur graue oder schwarze Farbvarianten des Roten Eichhörnchens.  vm

Originalpublikation: DOI 10.3201/eid2310.171008