bpt | Veranstaltung 30.01.2019

bpt Neujahrsempfang 2019

Am Tag vor der Grünen Woche findet traditionell der bpt Neujahrsempfang statt; dieses Mal in der österreichischen Botschaft in Berlin.

Rund 100 Gäste aus Bundestag, Bundes- und Landesregierungen, Wissenschaft, Verbänden, Wirtschaft, Presse und Tierärzteschaft waren gekommen. Mit dabei auch eine zehnköpfige Delegation der österreichischen Tierärztekammer (ÖTK).

Notfall und Notdienst
Nach Grußworten des österreichischen Botschafters in Berlin, Dr. P. Huber, ÖTK-Präsident Dr. K. Frühwirth und der Rektorin der Vetmed-Uni Prof. Dr. P. Winter ging bpt-Präsident Dr. S. Moder auf einige wichtige berufspolitische Themen ein. Insbesondere, so Moder, müsse sich die Politik nun zügig um die tierärztliche Versorgung auf dem Lande, im Notdienst und im Notfall kümmern, um endlich dem sich hier ausbreitenden Flächenbrand entgegenzuwirken. Notwendig seien klare Signale und schnelle Lösungen, z. B. durch eine Anpassung der Gebührenordnung (Notdienstgebühr on top) und eine Flexibilisierung beim Arbeitszeitgesetz. Eine effektive ASP-Bekämpfung funktioniere ganz sicherlich nicht, wenn angestellte Tierärztinnen und Tierärzte bei punktgenauer Einhaltung des Arbeitszeitgesetzes nach maximal 10 Stunden nach Hause gehen müssten, so Moder. Er stellte klar, dass seiner Meinung nach das Arbeitszeitgesetz nicht über dem Tierseuchengesetz oder den Heilberufsgesetzen stehen darf.

Ferkelkastration
Mit Blick auf die von Bundestag und Bundesrat im vergangenen Jahr beschlossene Übergangsfrist für den Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration wies Moder darauf hin, dass es nun Aufgabe der Politik ist, endlich Druck auf die Schlachtindustrie und den Lebensmitteleinzelhandel auszuüben. Eine Verweigerungshaltung gegenüber Ebermast und Immunokastration dürfe politisch nicht akzeptiert werden. Er merkte an, dass er es sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht vorstellen könne, dass in den nächsten 2 Jahren die notwendigen wissenschaftlichen und rechtlichen Voraussetzungen für den „4. Weg“ (Lokalanästhesie) noch zu schaffen sind. Deshalb sollte man sich jetzt mit Hochdruck auf die Umsetzung der bereits vorhandenen praxisnahen Alternativen konzentrieren. An oberster Stelle müsse jetzt stehen, Planungssicherheit für Landwirte und Tierärzte herbeizuführen.

Brexit
Ganz im Zeichen von „Brexit“ stand der Vortrag des renommierten Berliner Politikberaters Prof. Dr. Karl Jurka zum Thema „Wohin steuert Europa?“. Nur einen Tag nach Ablehnung des Brexit-Vertrages im britischen Unterhaus machte Jurka darauf aufmerksam, welche Auswirkungen ein „harter Brexit“ auch für die Tierarztbranche haben könnte. Problem sei, so Jurka, dass viele Politiker u.a. in Großbritannien noch nicht begriffen hätten, dass ein harter Brexit enorme Auswirkungen auf ihr tägliches Leben hat. So würde ein harter Brexit dazu führen, dass ein Großteil der in der britischen Schlachttier- und Fleischuntersuchung beschäftigten EU-Tierärzte Ende März ihren Aufenthaltsstatus verlieren. Auch würde Großbritannien über Nacht seinen Tierseuchenstatus verliert, was z.B. dazu führt, dass Tiere (auch Heimtiere!) nicht mehr in andere EU-Länder verbracht werden können. Angesichts einer einheitlichen Haltung der EU-27 geht er im Übrigen nicht davon aus, dass es zu Nachverhandlungen des Brexit-Vertrages kommt. Seine Prognose: Letztendlich kommt es zu einer Verschiebung der Frist für den EU-Austritt Großbritanniens.
Freundschaftsabkommen
Höhepunkt des Neujahrsempfangs war die Unterzeichnung eines Freundschaftsabkommen zwischen dem bpt und der Österreichischen Tierärztekammer. Mit diesem Abkommen wird nicht nur die seit vielen Jahren bestehende Freundschaft formell besiegelt, sondern auch das Österreich-Jahr offiziell eröffnet. Österreich ist Partnerland beim bpt-Kongress im Oktober in München.
Heiko Färber