Hundekrankheit 19.09.2019

Norwegisches Mysterium

Unter norwegischen Hunden grassiert eine mysteriöse Erkrankung mit seuchenhaftem Verlauf. Behörden und Veterinäre stehen vor einem Rätsel.

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Foto: RuZi - stock.adobe.com

Anfangs in und um Oslo, jetzt in ganz Norwegen sollen bis Redaktionsschluss mehr als 200 Tiere an blutigem Durchfall und Erbrechen erkrankt und mindestens 43 Hunde bereits verstorben sein. Ein auffallend schneller und heftiger Krankheitsverlauf kann innerhalb von 24 Stunden bei ansonsten gesunden Tieren zum Tod führen. Die Obduktion von mindestens zehn betroffenen Hunden ergab eine schwere Darminfektion. Außerdem wurden vermehrt Clostridium perfringens und Providencia alcalifaciens nachgewiesen, die allerdings auch physiologisch in der Darmflora vorkommen können.

Update: Aktuell entspannt sich die Situation 
Die Norwegische Behörde für Lebensmittelsicherheit rät seit dieser Woche nicht mehr generell dazu, alle Hundekontakte zu vermeiden. Die Zahl von Hunden mit blutigem Durchfall scheint zu sinken und die Behörde nimmt inzwischen an, dass auch nicht alle bisherigen Fälle miteinander in Verbindung stehen.

Die Ursache ist noch ein Rätsel
Ein interdisziplinäres Team sucht in allen Richtungen: Futter, Bakterien, Viren, Parasiten und Pilze. Bisher ausgeschlossen sind typische Durchfallerreger wie Parasiten, Parvoviren, Salmonellen oder Campylobacter sp. Auch Rattengift, Zeckenbisse, Algenvergiftungen, Milzbrand, Tularämie, EHEC oder ein bestimmtes Futter sind nicht die Krankheitsursache. Betroffen sind sämtliche Hunderassen und -größen, egal welchen Alters oder Geschlechts, unabhängig von Fütterung und Haltungsart. Das Positive: Da in Haushalten mit mehreren Hunden nur ein Tier erkrankt ist, scheint die Erkrankung nicht sehr ansteckend zu sein. Bisher gibt es auch keine nachgewiesenen Fälle von anderen Tierarten oder Menschen, die sich angesteckt haben könnten, oder einen Ausbruch in einem anderen Land.

„Viral“ auch in sozialen Medien
Emotionale Meldungen und wilde Spekulationen gehen in sozialen Medien um: Ein Futter wurde unter Generalverdacht gestellt, auch in Schleswig-Holstein soll ein Hund an der „Norwegischen Hundeseuche“ verstorben sein. Beides bisher völlig unbestätigt. Ungeprüftes Teilen und Diskutieren von Eventualitäten führen zu Panik auch unter deutschen Hundehaltern. Verständlich, aber für niemanden hilfreich. Als seriöse Quellen sind das Mattilsynet (Norwegische Behörde für Lebensmittelsicherheit) zu nennen, bei Verdachtsfällen in Deutschland das zuständige Veterinäramt. Ines Linke

Weitere Informationen:
Norwegische Behörde für Lebensmittelsicherheit