Bewegungsapparat | Hund 23.07.2019

Osteoarthrose - konservative Therapieoptionen

Mehr als Gewichtsreduktion und Bewegungsmanagement: Unser Fortbildungsartikel zeigt, was Tierärzte zusätzlich tun können, um eine Osteoarthrose (OA) konservativ zu behandeln.

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Foto: rhtierfoto - Fotolia.com

Bei Hunden mit OA ist die konservative Therapie der chirurgischen immer vorzuziehen. Hierbei spielt das korrekte Management des Patienten durch Tierarzt und Tierhalter eine zentrale Rolle. Gewichtsreduktion, das Anpassen des Levels und der Art der Aktivität des Patienten sowie Physiotherapie können das Schmerzverhalten deutlich lindern und die Progression der OA verlangsamen. Des Weiteren kommen bei der konservativen Therapie verschiedene Medikamente und Futtermittelergänzungen zum Einsatz. Auch lokale Therapieansätze in Form von Gelenkinjektionen und Strahlentherapie gehören zu den beschriebenen Möglichkeiten, eine Schmerzreduktion ohne operativen Eingriff zu erzielen. Wir stellen die konservativen Behandlungsmöglichkeiten nochmal kurz vor:

Medikamentöse Therapie: Neben NSAIDs werden in der Tiermedizin auch vereinzelt und nach strenger Indikationsstellung systemische Kortikosteroide eingesetzt. Eine Alternative zur medikamentösen Routine-Schmerzbehandlung bieten weitere Wirkstoffe wie z. B. Amantadine, Gabapentine, Acetaminophen und Codein. Die Wirksamkeit von Tramadol, ein Wirkstoff aus der Gruppe der Opioide, wird in einer aktuellen, plazebokontrollierten Studie angezweifelt. Vielversprechend scheint hingegen der Einsatz von Cannabinoiden zu sein.

Futtermittelergänzung/Nutraceuticals: Zu ihnen zählen Futtermittelzu­sätze wie Grünlippmuschel-Extrakt, Glukosamine, Hyaluronsäure oder Chondritinsulfat. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass keine eindeutige Empfehlung abgegeben werden kann, obwohl es in der Literatur Hinweise dafür gibt, dass mit gewissen Futtermittelzusätzen eine positive Beeinflussung der OA ohne schädliche Wirkungen möglich ist. Das Ansprechen sollte individuell beurteilt werden.

Gelenkinjektionen:
Zu den traditionellen Wirkstoffen zählen Kortikosteroide und Hyaluronsäure, deren analgetische Wirkung bei der Therapie der OA bei Hunden wissenschaftlich belegt wurde. Allerdings gilt es zu beachten, dass die schmerzlindernde Wirkung nur temporär ist und wiederholte Injektionen von Kortikosteroiden in das Gelenk aufgrund ihrer schädigenden Wirkung auf den Gelenkknorpel vermieden werden sollten. Des Weiteren werden in den letzten Jahren vermehrt autologe, aus Eigenblut oder Eigengewebe gewonnene Präparate eingesetzt (= Orthobiologika). Zu ihnen zählen :

1. Das Platelet-Rich Plasma (PRP) - zeitaufwendig, Erhöhung des Thrombozytengehalts auf das Vier- bis Fünffache
2. Das autologe, konditionierte Plasma (ACP) - Form des PRP, weniger zeit-und materialaufwendig, Verdopplung des Thrombozytengehalts. Im Vergleich zum PRP kann das ACP mittels kommerziell erhältlichen Systemen nach Blutentnahme am sedierten Patienten direkt an Ort und Stelle verarbeitet und noch in derselben Sedation in das betroffene Gelenk injiziert werden.
3. Das autologe konditionierte Serum (ACS) und
4. Die Stammzellentherapie. Die Stammzellentherapie zielt darauf ab, mesenchymale Stammzellen aus Eigengewebe (z. B. Fett) zu gewinnen. Diese werden nach bestimmten Aufbereitungsverfahren in das betroffene Gelenk injiziert und sollen dort sowohl die Entzündung lindern als auch aktiv zur Knorpelregeneration beitragen. Ihre Wirkung wird derzeit noch kontrovers diskutiert.
Beachte: Da all diese Verfahren kostenintensiv sind und meist mehrere Injektionen unter Sedation notwendig machen, sollten zunächst konventionelle, weniger invasive Therapieformen versucht werden.

Palliative Strahlentherapie: Diese Therapieform wird beim Mensch und auch bei Pferden seit Längerem erfolgreich zu Linderung von OA-induzierten Schmerzen eingesetzt. Obwohl es bisher bei Hunden nur wenige wissenschaftliche Untersuchungen gibt, sind erste Resultate auch hier ermutigend und zu erwartende Nebenwirkungen gering.

Den vollständigen Artikel "Aktuelle therapeutische Möglichkeiten der schmerzhaften Osteoarthrose von Hund und Katze" können Abonennten der Kleintierpraxis in der aktuellen Ausgabe lesen. Benjamin Husi et al. gehen auch auf alle chirurgischen Optionen ein.

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