Kleintierpraxis 14.06.2020

Otitis externa beim Hund – Ergebnisse mikrobiologischer Untersuchungen von Ohrtupferproben inklusive Antibiotikaresistenztestung aus dem Jahr 2016

Canine otitis externa – microbial investigations including antibiotic susceptibility testing of ear swabs from the year 2016

Zusammenfassung
Otitis externa ist ein häufiger Grund, warum Hunde in der tierärztlichen Praxis vorgestellt werden. In den meisten Fällen ist es ein multifaktorielles Geschehen, dem eine Primärerkrankung zugrunde liegt. Durch Vermehrung und Besiedelung mit Bakterien oder Pilzen kann es zu Sekundärinfektionen kommen.

Ziel dieser Auswertung war, das Erregerspektrum von Ohrtupferproben von Hunden aus dem Jahr 2016, die im Rahmen der Routinediagnostik eingegangen sind, zu erfassen und das Resistenzverhalten gegenüber den in Ohrpräparaten enthaltenen Wirkstoffen zu betrachten.

Insgesamt wurden 8.896 Proben kulturell untersucht. 22 % der Proben wurden ausschließlich bakteriologisch und 78 % sowohl bakteriologisch als auch mykologisch untersucht. Bei den bakteriologisch untersuchten Proben waren 80 % kulturell positiv und 20 % kulturell negativ. Bei den bakteriologisch und mykologisch untersuchten Proben waren 51 % in beiden Untersuchungen kulturell positiv, 31 % nur bakteriologisch positiv, 12 % nur mykologisch positiv und 6 % in beiden Untersuchungen kulturell negativ.

Das Ergebnis der allein bakteriologisch untersuchten Proben zeigte in 19 % der Proben kein Bakterienwachstum. In 32,5 % konnte ein potenziell pathogener Erreger (Reinkultur) und in 31,7 % mehr als ein potenziell pathogener Erreger (Mischkultur) nachgewiesen werden. In 16,8 % konnte nur ein physiologisches Mikrobiom angezüchtet werden. Am häufigsten wurden Staphylococcus pseudintermedius (38,7 %), beta-hämolysierende Streptokokken (12,7 %) und Pseudomonas aeruginosa (12,3 %) identifiziert. In 98,6 % der mykologisch positiven Proben wurde Malassezia pachydermatis nachgewiesen. Marbofloxacin, Orbifloxacin, Gentamicin, Neomycin, Chloramphenicol, Florfenicol und Polymyxin B sind häufig in Ohrpräparaten enthalten. Die Bakterien zeigten deutliche Unterschiede im Resistenzverhalten. Bei Verdacht einer bakteriellen Infektion kann sich der Tierarzt in den Antibiotika-Leitlinien (Leitlinien für den gewissenhaften Umgang mit antibakteriell wirksamen Tierarzneimitteln) über das diagnostische Vorgehen informieren. Außerdem sind mit der neuen Tierärztlichen Hausapothekenverordnung (TÄHAV) rechtlich bindende Vorgaben in Kraft getreten, an die sich der Tierarzt halten muss. Eine mikrobiologische Untersuchung der entnommenen Ohrprobe und das Anfertigen eines Antibiogramms sind für einen gezielten und richtigen Einsatz von Antibiotika erforderlich.

Schlüsselwörter
Ohr, canin, Entzündung, bakteriell, Antibiotika

Summary
Otitis externa is one of the most common diseases of the ear canal in dogs. It is a disorder of multifactorial etiology and bacterial or fungal infections are in most of the cases secondary to other conditions. The study aims to determine the distribution pattern of pathogens derived from ear swabs that were collected from dogs in the year 2016 and to analyse their antibiotic pattern. 8896 samples were cultured and examined for microbial growth. In 22% of the samples only a bacteriological examination was performed. 78% were examined for bacteria and fungi. In 80% of the samples that were only bacteriologically examined, growth could be detected. In samples that were bacteriologically and mycologically examined, 51% were tested positive for bacteria and fungi, 31% were tested positive for bacteria only, 12% were tested positive for fungi only and in 6% no growth could be observed. In 32.5% of the bacteriological samples only one putative pathogen (pure culture) was present, in 31.7% two or more putative pathogen (mixed culture) could be isolated and in 16.8% only physiological bacterial microbiom was present. Bacterial species that were most frequently isolated were Staphylococcus pseudintermedius (38.7%), beta-haemolytic streptococci (12.7%) and Pseudomonas aeruginosa (12.3%). In the mycological positive samples Malassezia pachydermatis was detected in 98.6%. The most commonly used antibiotic compounds for treatment of canine ear infections are marbofl oxacin, orbifloxacin, gentamicin, neomycin, chloramphenicol, florfenicol and polymyxin B. The antimicrobial susceptibility patterns of the bacterial isolates differed from each other. The antibiotic-guidelines are a useful tool for the effective selection of antimicrobial agents. With the coming into force of the new Tierärztliche Hausapothekenverordnung (TÄHAV) there are new legal rules the veterinarian has to consider. It is crucial to perform bacteriological and mycological examinations in addition to antimicrobial susceptibility testing prior to choosing an effective antibiotic compound.

Keywords
ear, canine, inflammation, bacterial, antibiotics

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