Journal Club 31.10.2001

Feline akute Pankreatitis – wichtige Speziesunterschiede

In den letzten Jahren hat sich herausgestellt, dass peri-pankreatische Fettnekrosen und Drüsenzellnekrosen wichtige Morbiditäts-und Mortalitätsursachen bei Hauskatzen darstellen. Wie bei vielen anderen Kleintiererkrankungen bestehen auch in Bezug auf die akute Pankreatitis wichtige Unterschiede zwischen den Erkrankungen bei Hund und Katze.

Die Unterschiede beginnen bei der Ätiologie

Die Ätiologie der felinen akuten Pankreatitis ist noch nicht vollständig geklärt. Erkrankungen des Gallengangsystems (z. B. Cholangiohepatitis, Obstruktionen), Organophosphat-Intoxikationen, Ischämien, Traumata, Infektionen (Toxoplasmose und Feline infektiöse Peritonitis)und Lipodystrophie gelten als mögliche Ursachen, während die ätiologische Bedeutung von idiosynkratischen Arzneimittelreaktionen (z. B. auf Glukokortikoide)und hypercalcämischen Störungen nicht gesichert sind. Jüngere Studien weisen latent vorhandene Enteritiden als wichtigen Risikofaktor zur Entstehung einer Pankreatitis aus. Im Gegensatz zum Hund spielen prädisponierende Faktoren wie Adipositas und Endokrinopathien wie Diabetes mellitus, Hyothyreoidismus und Hyperadrenocorticismus bei der Katze keine Rolle. Die ersten retrospektiven Studien über die feline akute Pankreatitis berichteten über eine zunehmende Prädispositon von Siamesen gegenüber dieser Erkrankung, während nach jüngsten Angaben die meisten Fälle bei Kurzhaarrassen diagnostiziert werden konnten.

Die Speziesunterschiede zeigen sich vor allem im klinischen Bild

Lethargie und partielle bis vollständige Anorexie, bei 100 bzw. 97 Prozent aller erkrankten Tiere auftretend, stellen die häufigsten, wenn auch nicht pathognomonischen, klinischen Symptome bei erkrankten Katzen dar. Die bei Hunden überwiegend (90 bzw. 33 Prozent)auftretenden klinischen Symptome Vomitus und Diarrhoe spielen bei der Katze eine eher untergeordnete Rolle (lediglich 35 bzw. 15 Prozent aller erkrankten Tiere betroffen). Während der klinischen Untersuchung erkrankter Katzen können vor allem Dehydratation (92 %), Tachypnoe (74 %), Hypothermie (68 %), Ikterus (64 %)und Tachkardie (48 %)festgestellt werden. Als weitere Befunde können abdominaler Schmerz (25 %), intraabdominale Zubildungen (23 %) sowie Dyspnoe (20 %), Ataxie (15 %)oder Fieber (7 %)erhoben werden. Diese Auflistung macht deutlich, dass das klassische „Leerbuch “-Bild der akuten Pankreatitis (Vomitus, Diarrhoe, abdominaler Schmerz und Fieber)bei Katzen nur in seltenen Fälle zu finden ist. Röntgenologisch kann bei der felinen akuten Pankreatitis meist vor allem eine Hepatomegalie und ein abdominaler Erguss gesehen werden. Oft können auch, wie beim Hund, Verdichtungen im rechten kranialen abdominalen Quadranten und das gasgefüllte Duodenum/Kolon dargestellt werden. Im Ultraschallbild stellt sich das Pankreasgewebe hypoechogen dar. Das peripankreatische Mesenterium kann durch eine Hyperechogenität auffallen.

Das Vorliegen einer Leukopenie und/oder Hypocalcämie ist prognostisch ungünstig einzuschätzen

Die Ergebnisse der Laboruntersuchungen sind bei Erkrankungen von Hund und Katze annähernd vergleichbar. Das Blutbild zeigt bei erkrankten Katzen vor allem eine normozytäre normochrome regenerative Anämie (55 %)sowie eine Leukozytose (30 %)oder Leukopenie (15 %), wobei das Auftreten einer Leukopenie prognostisch ungünstig zu werten ist. Die klinische Chemie offenbart bei der Mehrzahl erkrankter Katzen eine Erhöhung der Alanin- Amino-Transferase [ALT ]und der Alkalischen Phosphatase [AP ]. Zusätzlich können Hyperbilirubinämie, Hypercholesterämie und Hyperglykämie (jeweils bei circa 64 % der erkrankten Tiere)sowie Hypokaliämie (56 %)und/oder Hypocalcämie (45 %)diagnostiziert werden. In einer Studie konnte im Zusammenhang mit manifesten Hypocalcämien bei erkrankten Tieren eine erhöhte Morbidität und Mortalität festgestellt werden.

Wichtigste therapeutische Komponente: Stabilisierung der Bluthomöostase

Die Therapie der felinen akuten Pankreatitis besteht vor allem i der Normalisierung des Blut-und Plasmavolumens und des Säurebasen-sowie des Elektrolythaushaltes. Zusätzlich kann das Pankreas in physiologische Ruhe versetzt werden. Als Komplikationen der felinen akuten Pankreatitis können neben der disseminierten intravasalen Koagulopathie [DIC ] auch kardiale Arrythmien, Sepsis, akute Tubulusnekrosen, Lungenödeme und Pleuraergüsse auftreten.

Praktischer Tierarzt 82: 11, 921 (2001) © Schlütersche GmbH & Co. KG, Verlag und Druckerei