Journal Club 03.02.2019

Patellafrakturen nach Langzeitbehandlung mit Alendronat

Alendronat hemmt Osteoklasten und erhöht so die Knochendichte. Hier ein Erfahrungsbericht zur Langzeitanwendung dieses Bisphosphonats bei einem Kater.

Jahrelang ging alles gut
Bei einem vierzehn Jahre alten kastrierten Kater wurden eine linksseitige transversale Patellafraktur sowie radiologisch verdickte Kortikalis an der Tibia festgestellt. Zwei Monate später trat eine ähnliche Patellafraktur auf der rechten Seite auf. In beiden Fällen führte konservative Behandlung zur Heilung. Der Kater war zuvor acht Jahre lang mit Alendronat (5 mg einmal wöchentlich per os) behandelt worden. Als Indikation wurde die Prävention feliner odontoklastischer resorptiver Läsionen genannt. Für diese acht Jahre lagen mehrere Laborwerte für Serumkalzium und -phosphat, Serumkreatinin und Blutharnstoffstickstoff vor und waren meistens innerhalb des Normbereichs (Serumkreatinin war dreimal erhöht). Magnesium war nicht gemessen worden.

Der Kanal war voll – mit Kortikalis
Die Autoren verglichen die röntgenologischen Tibiabefunde mit Aufnahmen von 35 anderen geriatrischen Katzen, die im Klinikarchiv vorhanden waren, und maßen die Dicke von Kortikalis und Markkanal an verschiedenen standardisierten Punkten. Die Verengung des Markkanals war am deutlichsten im distalen Tibiaabschnitt zu erkennen: Im kraniokaudalen Strahlengang lag seine Breite bei den Kontrolltieren im Median bei 59 Prozent der Kortikalisdicke, bei dem betroffenen Kater bei nur 33,5 Prozent. Im laterolateralen Strahlengang lag seine Breite bei den Kontrolltieren im Median bei 52,5 Prozent der Kortikalisdicke, bei dem betroffenen Kater bei nur 31,5 Prozent. Im proximalen Tibiaabschnitt lag die Breite des Markkanals bei den Kontrolltieren im Median bei 54 Prozent und beim betroffenen Kater bei 34 Prozent der Kortikalisdicke. Die Publikation zeigt hierzu eindrückliche Röntgenbilder.

Fazit
Beim Menschen wurden unter Langzeitbehandlung mit Alendronat atypische, oft beidseitige Femurfrakturen beobachtet. Dies ist die erste Beschreibung von Frakturen und Veränderungen der Kortikalis nach Langzeitanwendung dieses Wirkstoffs bei der Katze. Das Risiko sollte in der individuellen Nutzen-Risiko-Abwägung und bei der regelmäßigen Kontrolle entsprechend behandelter Patienten berücksichtigt werden.
CHRISTIANE FETZER

Originalpublikation:
Council N, Dyce J, Drost WT, de Brito Galvao JF, Rosol TJ, Chew DJ (2017): Bilateral patellar fractures and increased cortical bone thickness associated with long-term oral alendronate treatment in a cat. JFMS Open Rep 3(2): 2055116917727137.
DOI 10.1177/2055116917727137.
Erratum in: JFMS Open Rep 2018; 4(2): 2055116918798187.