Der Praktische Tierarzt 28.02.2020

Perforierendes Ulkus des dritten Kompartiments bei einem Alpakawallach nach Burdizzo-Kastration

Perforated ulcer of the third compartment in an alpaca gelding after Burdizzo-castration

Zusammenfassung
Magenulzera kommen bei Neuweltkameliden (NWK) regelmäßig vor. Sie können grundsätzlich in jedem Magenabteil entstehen, am häufigsten ist jedoch das dritte Kompartiment (C3) von ulzerativen Veränderungen betroffen. Je nach Schweregrad der Schädigung kann ein Magenulkus zu Blutverlusten oder konsekutiven Peritonitiden führen. Die klinische Diagnostik eines Magenulkus bei NWK ist dabei nicht immer einfach, ulzerative Veränderungen können häufig erst in der pathologischen Untersuchung nachgewiesen werden und stellen dort auch einen häufigen Zufallsbefund bei NWK dar. Anhand eines repräsentativen Falles eines Magenulkus bei einem Alpaka werden klinische, labordiagnostische sowie pathologische Befunde erläutert. Das Tier wurde in einem mobilen Zoo zusammen mit anderen Tieren gehalten. Es fiel dem Besitzer mit Kolik auf. Sechs Wochen zuvor wurde das Alpaka mittels Burdizzo-Zange kastriert, dies ist bei NWK jedoch keine adäquate Kastrationsmethode und hat wahrscheinlich einen großen Stressfaktor für das Tier dargestellt. Die klinische Untersuchung ergab Hypothermie und ein schmerzhaftes Abdomen. Labordiagnostisch konnten im Blut Leukozytopenie, Hämokonzentration und Hypoproteinämie festgestellt werden. Der Zustand des Tieres verschlechterte sich sehr rasch, es bildete sich eine Peritonitis. Die Bauchhöhlenflüssigkeit wies eine erhöhte Anzahl an Neutrophilen, einen erhöhten Proteingehalt, Bakterien sowie Fibrin und Pflanzenfasern auf. Das Alpaka wurde aufgrund der schlechten Prognose euthanasiert. In der pathologischen Untersuchung zeigten sich ein perforierendes Ulkus im C3 sowie entzündliche Veränderungen an der Serosa verschiedener Organe.

Schlüsselwörter
Neuweltkameliden, Alpaka, Magenulkus, Labordiagnostik

Summary
Gastric ulcers are commonly found in South American camelids (SAC). They can occur in every compartment, but the third compartment (C3) is particularly often affected by gastric ulcers. Depending on the severity of damage, gastric ulcers can lead to blood loss or consecutive peritonitis. The clinical diagnosis of gastric ulcers in SAC is challenging, as often ulcerative changes are only diagnosed during necropsy, where they are a frequent incidental finding in SAC´s. This paper describes a representative case of a gastric ulcer in an alpaca and outlines clinical, laboratory and pathological findings. The affected animal was kept in a private zoo together with other animals. The owner noticed colic. Six weeks ago the alpaca underwent Burdizzo-castration, which is no adequate castration method in SAC and might have been an enormous stressor for the animal. Clinical examination revealed hypothermia and a painful abdomen. Blood analysis revealed leucopenia, haemoconcentration and hypoproteinaemia. The condition of the animal worsened due to development of peritonitis. Peritoneal fluid showed an increased amount of neutrophils and protein and contained bacteria, fibrin and plant fibers. The alpaca was euthanized due to poor prognosis. Necropsy revealed a perforated ulcer in C3 and inflammatory serosal changes of several organs.

Keywords
South American Camelids, alpaca, gastric ulcer, blood analysis

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