Journal Club 01.04.2012

Perikarderguss bei einer Katze mit feliner infektiöser Peritonitis

KLINIK: Die feline infektiöse Peritonitis kann am Perikard zu Pyogranulomen und einer Vaskulitis mit Perikardergüssen und akuten Krankheitsverläufen führen.

Perikardergüsse kommen bei Katzen selten vor und werden meist durch kongestives Herzversagen, Neoplasien oder die feline infektiöse Peritonitis (FIP) verursacht. Bei Letzterer weist das Perikard zudem eine Vaskulitis und Pyogranulome auf. Der vorliegende Bericht beschreibt einen Fall von FIP mit Perikarderguss bei einem zehn Monate alten, unkastrierten Kater ohne Vorerkrankungen, der mit akuter, seit einem Tag bestehender Apathie, Schwäche und Dyspnoe vorgestellt wurde. Der Kater wies einen guten Ernährungs- und sehr guten Pflegezustand, ein mittelgradig reduziertes Allgemeinbefinden, eine Körpertemperatur von 35,9 °C, eine Herzfrequenz von 170 Schlägen/min mit gedämpften Herztönen und schwachem Puls sowie eine Dyspnoe mit kostoabdominaler Atmung und einer Atemfrequenz von 57/min auf. Die Laboruntersuchung war mit Ausnahme eines erhöhten Alanin-Aminotransferasewertes unauffällig. Im Röntgen stellte sich das Herz mit einem Vertebral Heart Score von 13,8 als hochgradig vergrößert dar. Sonographisch wurden ein hochgradiger Perikarderguss und ein geringgradiger Thoraxerguss festgestellt, wobei das Herz selbst ohne besonderen Befund war. Mittels Perikardiozentese wurden 120 ml einer gelblich-klebrigen Flüssigkeit abgezogen, bei der es sich um ein modifiziertes Transsudat pyogranulomatösen Charakters handelte. Die Rivaltaprobe war positiv. Zytologisch wurden nichtdegenerierte, neutrophile Granulozyten und Makrophagen, jedoch weder Bakterien noch Tumorzellen nachgewiesen. Ein Immunfluoreszenztest des Punktates konnte die Verdachtsdiagnose FIP zunächst nicht bestätigen. Der Kater wurde stationär aufgenommen und mit Dexamethason (Hexadroson®, 1mg/kg, 1x tägl. s. c.) behandelt. Ab dem dritten Tag wurde das Allgemeinbefinden zunehmend schlechter. Es kam erneut zu einem Perikarderguss, nach dessen Absaugen die Tagesdosis Dexamethason intraperikardial verabreicht wurde. Nach Absaugen eines Pleuraergusses am sechsten Tag wurde das Dexamethason intrathorakal verabreicht. Mit der Applikation in die Ergusshöhle sollte eine gezieltere Wirkung auf die betroffenen Gefäße erreicht werden. Am siebten Tag wurde ein Aszites festgestellt. Zudem lagen, für FIP charakteristisch, eine Anämie, Neutro- und Thrombozytopenie, ein deutlich erhöhtes Bilirubin sowie ein erniedrigtes Albumin vor. Aufgrund des schlechten Allgemeinbefindens wurde der Kater euthanasiert. Bei der anschließenden Sektion wurden eine fibrinöse Perihepatitis, Epi- und Perikarditis festgestellt. Histologisch wurden Nekrosen, Fibrinausschwitzungen und eine Infiltration mit Entzündungszellen in verschiedenen Organen nachgewiesen. Immunhistochemisch konnte die Verdachtsdiagnose FIP nun bestätigt werden. In der Regel werden bei einer FIP über mehrere Wochen Inappetenz, Fieber und Gewichtsverlust beobachtet. Der vorliegende Fallbericht zeigt jedoch, dass auch perakute Verläufe möglich sind. Das negative Ergebnis im ersten Immunfluoreszenztest könnte durch die geringe Zellzahl im Punktat zustande gekommen sein. Der Einsatz von Glukokortikoiden soll die Immunantwort hemmen und so die Symptome der FIP lindern, ihre Wirksamkeit wurde bislang jedoch nicht bestätigt. Da trotz der Größe des Perikardergusses zuvor keine Symptome aufgetreten sind, ist er vermutlich innerhalb kurzer Zeit entstanden. Der Fallbericht zeigt, dass das Vorliegen einer FIP auch bei einem isolierten Perikarderguss als Differenzialdiagnose in Betracht gezogen werden muss.

Quelle:
Fischer Y, Wes G, Hartmann K (2012):
Perikarderguss bei einer Katze mit feliner infektiöser Peritonitis. Schweiz Arch Tierheilkd 154: 27–31.

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