Journal Club 04.05.2006

Persistierender Ductus arteriosus Botalli

Fohlen mit persistierendem Ductus arteriosus fallen in den ersten Lebenswochen durch ihre schlechte Entwicklung auf. Die Prognose bei dieser seltenen Erkrankung ist ungünstig.

Der Ductus arteriosus verbindet im fetalen Kreislauf den Truncus pulmonalis mit dem Aortenbogen. Bei einem gesunden Fohlen sollte er spätestens sechzehn Stunden nach der Geburt vollständig geschlossen sein. Wenn dies nicht der Fall ist, so ergibt sich ein Krankheitsbild, welches gegebenenfalls schon anhand der klinischen Untersuchung eine Diagnose ermöglicht. Ein Holsteinerfohlen in Chile wurde aufgrund einer Bewegungsschwäche in der zweiten Lebenswoche dem Tierarzt vorgestellt. Das Hengstfohlen hatte bei der Geburt ein Gewicht von 60 kg und einen reponierbaren Nabelbruch. Körpertemperatur und Herzfrequenz waren ohne besonderen Befund. Die Bindehaut und das Zahnfleisch waren bläulich violett verfärbt. Bei der Auskultation stellte sich das charakteristische Maschinengeräusch als lautes, blasendes, konstantes und kontinuierliches Geräusch dar, welches vor allem während der Systole auf Höhe des vierten Interkostalraumes zu hören war. Da die nächste geeignete Tierklinik 1200 Kilometer entfernt war, konnten keine weiterführenden Untersuchungen, wie zum Beispiel Röntgen, Herzultraschall oder EKG durchgeführt werden.

Nach vier Monaten war festzustellen, dass das Tier nur eine geringere Zunahme der Körpermasse zeigte. Die tägliche Gewichtszunahme betrug mit 0,75 kg weniger als die Hälfte im Vergleich zu gleichaltrigen Fohlen. Der Allgemeinzustand des Tieres war gleichbleibend schlecht. Das Haarkleid erschien stumpf. In Anbetracht der ungünstigen Prognose wurde entschieden das Fohlen einzuschläfern. Bei der Sektion wurde ein Ductus arteriosus persistens mit einem Durchmesser von fünf Millimetern diagnostiziert. Am Septum interventriculare konnte kein Defekt festgestellt werden, das Foramen ovale war geschlossen.

Der Ductus arteriosus persistens ist beim Pferd eine extrem seltene Erkrankung, vor allem im Vergleich zum Hund, bei dem dieser mit 28 % aller erblichen Herzerkrankungen die häufigste kongenitale Kardiopathie darstellt.

(Quelle: H. Guarda, C. A. Schifferli, L. H. Alvarez, A. Probst und H. E. König (2005): Ductus arteriosus persistens bei einem Fohlen. Wien. Tierärztl.Mschr. 92, 233–237.)

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