Neoplasie | Therapie 10.10.2019

Pferde bestrahlen - Zukunftsmusik?

Unser aktueller, frei zugänglicher Fortbildungsartikel zeigt, dass die Strahlentherapie in der Pferdemedizin ein großes Potenzial besitzt - nicht nur bei Tumoren. Pferde zeigen im Vergleich zu Hunden deutlich weniger Nebenwirkungen.

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Foto: Janine Brunner, Jan Kuntz

Die zunehmende Lebenserwartung von Tieren führt durch die längere Zeitspanne zu mehr Mutationen im Erbgut, aus denen sich manifeste Krebserkrankungen entwickeln können. Dies bedeutet eine höhere Inzidenz von Tumorerkrankungen mit steigendem Lebensalter. In einer amerikanischen Studie konnte bei 15- bis 19-jährigen Pferden eine Tumorinzidenz von 8 % festgestellt werden, die bei > 30-jährigen Pferden sogar auf 17 % steigt (van Weeren und Back 2016).
Pferde neigen vor allem zu virusinduzierten Haut- und Unterhauttumoren wie equinen Sarkoiden (43,6 % aller Tumoridentitäten beim Pferd), Plattenepithelkarzinomen (24,6 %; je nach Lokalisation multifaktorielle Ätiologie) und Papillomen (5,5 %). Zusätzlich gibt es Fellfarben-assoziierte Tumoren wie Schimmelmelanome (3,8 %) oder UV-Licht-induzierte Plattenepithelkarzinome an unpigmentierten Hautstellen, z. B. bei Schecken (Inzidenz siehe oben). Weitere häufige Tumoren sind Granulosazelltumoren bei der Stute (2,5 %) und Lymphome (1,3 %).

Auch die Strahlentherapie hat sich enorm entwickelt, wodurch es heutzutage möglich ist, auch Tiere in wenigen Einzelsitzungen sowohl kurativ als auch palliativ (vor allem zur potenten Schmerzreduktion) mittels ionisierender Strahlung zu behandeln. Sofern entsprechende bauliche Maßnahmen vorgenommen werden kann den Tieren diese Therapieform als dritte Säule der Krebstherapie (neben der Chirurgie und der Chemotherapie) ebenfalls zugänglich gemacht werden. Die von der Strahlentherapie ausgehende Belastung für das Tier ist dabei ebenso wie die Nebenwirkungen in der Regel gering.

Anwendungsgebiete: Nicht nur für Neoplasien
Die Strahlentherapie mittels Linearbeschleuniger hat sich beim Pferd besonders zur Behandlung von Tumoren am und um das Auge (Sarkoide, Spindelzelltumoren, Plattenepithelkarzinome, Neurofibrosarkome, Neben- und Stirnhöhlentumoren) hervorgetan, aber auch diverse Neoplasien anderer Identitäten und Lokalisationen konnten erfolgreich behandelt werden. Pferde zeigen, verglichen mit Hunden, wesentlich weniger Nebenwirkungen auf die Therapie.
Ein weiteres großes Potential besitzt die Strahlentherapie in ihrer Eigenschaft, im Niedrigdosisbereich Schmerzen und Entzündung zu reduzieren und so die Lebensqualität von Tieren mit gutartigen Erkrankungen (Arthrosen, Bursitiden, Sehnenansatz-Pathologien etc.) über einen langen Zeitraum zu verbessern bzw. sie wieder einsetzbar zu machen.

Lesen Sie den vollständigen Open-Access Artikel von Janine Brunner "Strahlentherapie in der Pferdemedizin – die Zukunft hat bereits begonnen" hier und sammeln Sie gleich eine ATF-Stunde!