Journal Club 14.07.2019

Pilze begünstigen Inflammatory Airway Disease

Pilze in Einstreu und Futter spielen nicht erst bei rezidivierenden Atemwegsobstruktionen eine Rolle, sondern schon viel früher – bereits bei der IAD.

Bei der rezidivierenden Atemwegsobstruktion (recurrent airway obstruction, RAO) des Pferdes mischen Pilze kräftig mit. Nicht genauer untersucht war die Rolle von Pilzen bei der Inflammatory Airway Disease (IAD) des Pferdes. Hier wurden bisher vor allem alveolengängige organische Staubpartikel, Endotoxine und Ammoniak in der Stallluft als relevante Faktoren nachgewiesen. Nun wurde die Rolle der Pilze bei der IAD bei 731 Pferden (646 [88 Prozent] IAD-positiv und 85 [12 Prozent] IAD-negativ) untersucht.

Ergebnisse
Bei insgesamt 402 Pferden (55 Prozent) war ein kultureller Nachweis von Pilzen in der Trachealflüssigkeit möglich. Bei IAD-positiven und IAD-negativen Pferden war dieser Nachweis etwa gleich häufig. Unterschiede ergaben sich dagegen in der Zytologie der Trachealflüssigkeit: Pilzbestandteile waren bei 81 Prozent der IAD-positiven Pferde, aber nur bei 65 Prozent der IAD-negativen Pferde zu sehen. Zytologisch positive Pferde hatten damit ein doppelt so hohes IAD-Risiko wie zytologisch negative Pferde. Die Zytologie ist also besser geeignet als die Kultur, um klinisch relevante Ergebnisse zu erhalten. Der Trachealschleim war – im Gegensatz zum Consensus Statement des ACVIM – kein sensitiver Indikator für eine IAD; die Autoren halten diesen Indikator für unzuverlässig. Auch zwischen bakteriologischem Befund und Vorliegen einer IAD ergab sich keine Korrelation.

Hinsichtlich der Umweltbedingungen bestätigten sich die bekannten Zusammenhänge von staubreicher Umgebung und höherem IAD-Risiko: Am seltensten trat IAD bei denjenigen Pferden auf, die auf Holzspänen gehalten und mit bedampftem Heu gefüttert wurden; eingeweichtes Heu, Heulage und „staubfreies“ Heu brachten keine Vorteile.

Schlussfolgerungen
Pferde, die Pilzsporen einatmen, haben ein signifikant höheres Risiko, an IAD zu erkranken. Der hohe Anteil an Pferden mit positivem Pilzbefund stellt eine alleinige Behandlung einer IAD mit Kortikosteroiden infrage. In der Humanmedizin wird in solchen Fällen parallel antimykotisch behandelt. Eine „Verdachts“-Antibiose sollte, gemäß der nicht-bakteriellen Genese der IAD, unterbleiben.
CHRISTIANE FETZER

Originalpublikation:
Dauvillier J, Ter Woort F, van Erck-Westergren E (2019): Fungi in respiratory samples of horses with inflammatory airway disease. J Vet Intern Med 33: 968–975.
DOI 10.1111/jvim.15397.