Nutztier | Therapie 01.03.2018

Wenn Bio kommt

Wenn Landwirte ihre Milchproduktion auf Bio umstellen, ergeben sich auch für den Tierarzt Änderungen bei der Behandlung der Milchkühe. Ein aktueller, frei zugänglicher Artikel räumt mit Unsicherheiten auf.

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Trotz der vermehrten Herausforderungen an den Betrieb und erhöhten Anforderungen an das Tiergesundheitsmanagement führt die positive Preisentwicklung von Bio-Milch nach wie vor zu Umstellungen in Milchviehbetrieben. Dabei gibt es unterschiedliche Aspekte, vor allem bei der Fütterung, aber auch der Haltung und Tiergesundheit zu beachten. Bei der Versorgung der Tiere sollte die Prävention von Erkrankungen das wichtigste Ziel in der ökologischen Tierhaltung sein. Treten dennoch Krankheiten auf, sind diese laut EU-Öko-Verordnung (EG-VO 2008) unverzüglich zu behandeln. Da die Anwendung von Tierarzneimitteln in der ökologischen Tierhaltung immer wieder zu Unsicherheiten bei Tierärzten führt, soll hier nochmals auf zentrale Punkte eingegangen werden:

Einsatz kommerzieller Arzneimittel

  • Die konventionell angegebene Wartezeit ist zu verdoppeln.
  • Ist keine Wartezeit angegeben, sind mindestens 48 Stunden als Wartezeit einzuhalten.
  • Die Behandlungen sind ausführlich zu dokumentieren und die behandelten Tiere eindeutig zu kennzeichnen
  • Tiere dürfen maxi mal dreimal pro Jahr mit konventionellen Arzneimitteln behandelt werden (ausgenommen Impfstoffe und Antiparasitika
  • Masttiere, deren Lebenszeit kürzer als ein Jahr ist, dürfen nur einmal im Leben mit solchen Präparaten behandelt werden (ausgenommen Impfstoffe und Antiparasitika). Der Einsatz von Wachstums- oder Leistungsförderern ist verboten. Ebenso verboten ist der Einsatz von Hormonen zur Kontrolle der Fortpflanzung.
Zusätzlich ist eine präventive Verabreichung von chemisch-synthetisch allopathischen Tierarzneimitteln nicht zulässig. Dies bedeutet, dass Geschlechtshormone nur zur Behandlung von Einzeltiererkrankungen zulässig sind und keine systematischen Hormonprogramme (beispielsweise Ovsynch) eingesetzt werden dürfen. Auch der Einsatz von antibiotischen Trockenstellern ist nur auf Behandlungen von Einzeltieren beschränkt, bei denen durch erhöhte Zellzahlmessung und positivem bakteriologischem Befund in der Milch eine tierärztliche Indikation besteht.

In den Richtlinien von Bioland (Bioland 2016) sind weitre Vorgaben für die Anwendung konventioneller Tierarzneimittel enthalten, die über die Forderungen der EU-Öko-Verordnung hinausgehen.

Wenn Sie Landwirte bei der Umstellung Ihrer Betriebe beratend zur Seite stehen wollen, wird Ihnen der Artikel "Umstellung zur Produktion von Bio-Milch – eine Herausforderung für das Tiergesundheitsmanagement?" von Otto Volling eine Hilfe sein. Dieser ist in der Märzausgabe von Der Praktische Tierarzt erschienen und steht für Sie zum kostenlosen Download bereit.