Histomonas meleagridis | Nutzgeflügel 12.03.2020

Putensterben: Keine Therapie in Sicht

Die Schwarzkopfkrankheit ist zurück. Studien laufen, doch Therapiemöglichkeiten für die Histomonose gibt es kaum.

 - Rasterelektronenmikroskop-Aufnahme: Histomonas meleagridis mit Escherichia coli-Bakterien.
Rasterelektronenmikroskop-Aufnahme: Histomonas meleagridis mit Escherichia coli-Bakterien.
Foto: Universitäts- klinik für Geflügel und Fische/Vetmeduni Vienna

Die parasitäre Schwarzkopfkrankheit, welche Truthühner und hühnerartige Vögel befällt und vor allem bei Puten zu schweren Krankheitsverläufen mit Mortalitäten bis zu 100 % führt, stellt Tierärzte erneut vor Probleme. Da derzeit keine Arzneimittel gegen den auslösenden flagellentragenden Einzeller Histomonas meleagridis zur Verfügung stehen, ist die Histomonose in deutschen Betrieben wieder aufgeflammt. Unzureichend sind Prophylaxe- und Therapiemöglichkeiten.

Aktuelle Forschung
Der Erreger sowie die Epidemiologie der Erkrankung sind komplex: So forscht die Vetmed Universität Wien derzeit an den Wechselwirkungen, die Histomonas melea­gridis mit Darmbakterien, vor allem E. coli, eingeht. So könnte laut den Forschungsergebnissen von Prof. Michael Hess und Kollegen von der Klinik für Geflügel und Fische der Universität eine bakteriell-parasitäre Symbiose für die tödliche Wirkung des Erregers verantwortlich sein. Verkompliziert wird die Erkrankung im Übrigen durch den Fadenwurm Heterakis gallinarum, der im Blinddarm von Hühnern lebt. Er ist häufiger Träger des Einzellers und gilt als wichtigster Vektor der Erkrankung. Seine Eier stellen darüber hinaus ein langlebiges Reservoir für Histomonas meleagridis dar.

Gibt es Therapiemöglichkeiten?
Therapieempfehlungen auszusprechen ist laut Michael Hess schwierig. So ist es Abwägungssache, ob eine Tötung der Tiere erforderlich sei oder nicht. Eine echte Therapie gibt es derzeit nicht, metaphylaktisch wird teilweise Paromomycin eingesetzt, was allerdings nur prophylaktisch wirkt, bei Legehennen in Freilandhaltung werden Oreganopräparate angewandt. Das Christian Doppler Labor für Innovative Geflügelimpfstoffe der Vetmed Uni Wien hat einen Impfstoff entwickelt, der eine Chance darstellt, wenn technische Hürden beseitigt werden. Zudem wird es weitere Studien zum Thema Mikrobion und der Interaktion von Bakterien und Einzeller geben. (LP)