Radiologie | Lunge 08.09.2017

Thoraxröntgen: von Artefakten und weiteren Fallstricken

Die Interpretation von Röntgenbildern des Thorax stellt nicht nur Anfänger vor eine Herausforderung. Wir haben ein paar wertvolle Tipps für Sie.

 - Die linkslaterale Röntgenaufnahme erlaubt die Beurteilung der rechte Lunge. Die Grenzen des Spitzenlappens sind blau umrandet, die rote Linie markiert die Grenzen des Mittellappens, die grüne Linie den akzessorischen Lungenlappen und die schwarze Linie den rechten Zwerchfelllappen.
Die linkslaterale Röntgenaufnahme erlaubt die Beurteilung der rechte Lunge. Die Grenzen des Spitzenlappens sind blau umrandet, die rote Linie markiert die Grenzen des Mittellappens, die grüne Linie den akzessorischen Lungenlappen und die schwarze Linie den rechten Zwerchfelllappen.
Foto: Antje Hartmann

Gehen Sie bei der Interpretation des Lungenbildes immer strukturiert vor.
1. Gibt es technische, bzw. patientenbedingte Faktoren, die zu beachten sind?
Dazu zählen Belichtung, Bildkontrast, falscher Ausleselogarithmus, mögliche Artefakte (durch Verschmutzungen im Fell, der Ernährungszustand des Patienten, bzw. dessen Thoraxkonformation
-> Unterbelichtung führt zu Rauschen auf dem Bild, Bilddetails sind je nach Ausmaß der Unterbelichtung nicht mehr sichtbar. Pathologien können verdeckt werden.
-> Ein falscher Ausleselogarithmus und eine zu hohe Kantenverstärkung können Pathologien vortäuschen oder verdecken.
-> Artefakte können Pathologien vortäuschen (z. B. Zecke, welche als Weichteilknoten in der Lunge interpretiert wird) oder überdecken (Metastasen, welche aufgrund von Kratzern im Film oder Artefakten durch nasses Fell nicht sichtbar sind).
-> Adipositas für zu einer erhöhten, Abmagerung zu einer erniedrigten Röntgendichte des Thorax, was als interstitielle Lungenzeichnung bzw. als Pneumothorax fehlinterpretiert werden kann.
-> Thoraxkonformation: Bei Hunden mit einem tonnenförmigen Thorax können sich trotz Inspiration Herzspitze und Zwerchfell berühren, evtl. sogar überlagern, da der Thorax breit, aber nicht hoch ist. Bei tiefbrüstigen Hunden besteht unter Umständen kein Kontakt der Herzsilhouette mit dem Sternum, was nicht als Pneumothorax fehlinterpretiert werden darf.

2. Beurteilung des Thoraxvolumens - Maß der Vorwölbung des Zwerchfells, Ausdehnung der Lungenlappen sowie die Winkelung der Rippen zur Wirbelsäule und der Abstand der Rippen betrachten. Je größer das Thoraxvolumen, desto weiter bewegt sich das Zwerchfell nach kaudal. Dabei nicht nur die ganze Lunge, sondern auch die einzelnen Lungenlappen beurteilen.
-> Ursachen für ein kleines Lungenvolumen : Bei einer Lungenfibrose kann das Thoraxvolumen trotz maximaler Inspiration klein sein, da eine Expansion der Lunge aufgrund der Erkrankung nicht möglich ist. Weitere Ursachen für ein generalisiert kleines Thoraxvolumen sind eine Stenose der oberen Atemwege (z. B. Larynxparalyse), ein vergrößertes abdominales Volumen (z. B. infolge von Aszites) und eine Zwerchfelllähmung.
-> Ursache für eine Atelektase: lagerungsbedingt, luminale Verlegung von Bronchien durch Fremdkörper oder Schleimplaques, externe Kompression von Bronchien durch z. B. einen vergrößerten linken Vorhof, ein Bronchialkollaps oder eine funktionale Störung der Bronchien, wie beim Asthma.

3. Beurteilung der Lungendichte - stellen Sie sich folgende Fragen: Ist die Lungendichte normal, erhöht oder erniedrigt? Wie stark ist die Lungendichte erhöht?
Sind die Lungengefäße noch sichtbar? Bei bestehenden Veränderungen muss immer alle technischen und patientenbedingten Faktoren als Auslöser berücksichtigt werden. Die alveoläre Lungenzeichnung geht mit der stärksten Dichteerhöhung einher, daher sollte bei einer hochgradig erhöhten Lungendichte zunächst eine alveoläre Lungenzeichnung in Erwägung gezogen werden. Allerdings kann auch eine hochgradige interstitielle Lungenzeichnung eine deutlich erhöhte Lungendichte verursachen. Beschreiben Sie aus diesem Grund die veränderten Lungenanteile.
Ziel der Beschreibung ist eine Einordnung der Lungenveränderungen in eines der Lungenmuster – alveolär, bronchial oder interstitiell.

Den ersten Teil eines ausführlichen Leitfadens zur Interpretation von Lungenzeichnungen hat Antje Hartmann in der aktuellen Aufgabe der Kleintierpraxis veröffentlicht.