Kleintierpraxis 16.01.2019

Ruptur des Ductus choledochus communis bei einem Hund nach Autounfall

Rupture of the common bile duct after blunt abdominal trauma in a dog

Zusammenfassung
Bei einer neun Monate alten Hündin wurde fünf Tage nach einem Autounfall ein hochgradiger Bauchhöhlenerguss erkannt. Die Diagnose einer galligen Peritonitis wurde durch Gewinnung von Ergussflüssigkeit und dem zytologischen Nachweis von Gallepigment sowie einer extrem erhöhten Bilirubinkonzentration im Punktat (669 μmol/l) gestellt. Das Allgemeinbefinden war zu diesem Zeitpunkt ungestört. In der Laboruntersuchung konnten zudem erhöhte Leberenzyme (ALT, GLDH, ALP) im Blutplasma, eine Bilirubinämie und eine leichte Koagulopathie nachgewiesen werden.

In der Laparotomie wurde eine vollständige Ruptur des Ductus choledochus communis festgestellt. Zunächst wurde eine Anastomose über einem Stent (Ernährungssonde) angelegt. Aufgrund einer Galleabflussstörung eine Woche nach der initialen Operation erfolgte in einer zweiten Laparotomie eine Cholezystoduodenostomie. Die Hündin entwickelte einen entzündlichen Bauchhöhlenerguss. Eine weitere Woche später ließ sich sonografisch nur noch minimal freie Flüssigkeit nachweisen, die Hündin konnte nach Hause entlassen werden und ist in einem Beobachtungszeitraum von 16 Monaten symptomlos.

Der Fall zeigt, dass bei freier abdominaler Flüssigkeit nach stumpfen Traumata differenzialdiagnostisch Verletzungen des Gallengangsystems bedacht werden sollten. Anhand des Falles soll der klinische Verlauf nach einer Gallengangsruptur veranschaulicht und die Möglichkeit eines erfolgreichen chirurgischen Managements trotz Komplikationen aufgezeigt werden. Mittels einer Cholezystoduodenostomie kann, zumindest mittelfristig, ein beschwerdefreies Leben ermöglicht werden.

Schlüsselwörter
Bauchhöhlentrauma, Galleperitonitis, Cholezysto duodenostomie

Summary
A nine-month-old mixed-breed female dog was hospitalised after a road traffic accident. On the fifth day, she presented with marked free abdominal fluid. Analysis of the effusion demonstrated bile pigment and a high concentration of bilirubin (669 μmol/l). Biliary peritonitis was suspected. The dog’s vital parameters remained stable throughout diagnostics. Blood analysis though showed elevated liver enzymes, elevated bilirubin and a mild coagulopathy. An exploratory laparotomy revealed a complete rupture of the common bile duct. The initial surgical procedure comprised of an anastomosis of the common bile duct over a stent (feeding tube catheter) and was accomplished successfully. Due to bile tract obstruction one week after the initial laparotomy, a cholecystoduodenostomy was carried out during revision surgery. The dog subsequently developed inflammatory ascites. After another week, there was minimal free fluid on ultrasonographic examination and the dog was discharged. In patients with free abdominal fluid after blunt abdominal trauma, injuries of the biliary system should be considered as a differential diagnosis. This case shows the clinical process after the rupture of the common bile duct and the possibility of successful surgical management despite complications. A good quality of life can be assured, at least in the medium term, using a cholecystoduodenostomy.

Keywords
blunt abdominal trauma, bile peritonitis, cholecystoduodenostomy

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