Kleintier | Abdominalschmerz 15.05.2020

Sandkolik beim Hund − sind Terrier prädisponierte Sandfresser?

Die Tierklinik Rostock hat über die Dauer von sechs Jahren 54 Hunde mit Sandobstipationen untersucht. Die Ergebnisse zu Prädisposition, Klinik und Therapie sind frei zugänglich.

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Foto: Tierklinik Rostock

- Bei Fohlen und Kaninchen gehört das Fressen von Sand zum natürlichen Verhalten. Im Gegensatz dazu erfolgt die Sandaufnahme beim Hund zufällig beim Spiel.
- Zu Obstipationen kommt es vor allem bei kleinen Hunden < 10 kg, in Rostock waren viele Terrier betroffen.
- In Regionen am Meer kann es zusätzlich zur Dehydratation durch den Sand auch zu hohen Aufnahmen von Natriumchlorid und damit zu Magen-Darm-Beschwerden kommen.
- Eine chirurgische Intervention ist in der Regel nicht erforderlich und mitunter auch nicht empfehlenswert.

Eine Sandkolik, ausgelöst durch eine Obstipation des Darms durch sandhaltige Substrate, kommt gehäuft bei Pferden vor, insbesondere dann, wenn diese sich in sandreichen Regionen aufhalten. Im Gegensatz dazu kommen Sandkoliken beim Hund selten vor, wenn ist meist der Dünndarm betroffen. Interessant ist, dass vor allem adulte Tiere betroffen sind, welche folgende Klinik zeigen:

- abdominalen Schmerzen
- Anorexie
- Vomitus und Diarrhö

Die Autoren einer aktuellen O riginalarbeit der Tierklinik Rostock kam darüber hinaus zu folgenden Schlüssen:

- keine Geschlechts- und Altersabhängigkeit erkennbar
- häufig Hunde auf Reisen, keine einheimischen
- häufig kleine Hunde unter zehn Kilogramm Körpergewicht betroffen
- Rassepräsidposition kann nicht abschließend geklärt werden (viele Terrier)
- statt Koprostase häufig wässrige Diarrhoe, vermutlich durch die zusätzliche Aufnahme von Meerwasser

Zudem kamen die Tierärzte zu folgenden Schlüssen im Bezug auf die Therapie:

- Bei leichter Klinik symptomatische Therapie mit Analgetika, Antiemetika, Magen-Darm-Diät. Klistiere eingeben.
- Der Einsatz von oral verabreichten Laxanzien ist nicht zu empfehlen, da bei der Eingabe ein relativ großes Risiko der Aspiration und anschließend entstehender Aspirationspneumonie besteht.
- Keine prophylaktische Antibiotika-Gabe, nur bei Gefahr von Sepsis/chirurgischer Darm-Eröffnung.
- Regelmäßige Kontrolle des Kot-Absatzes!
- Bei Störungen des Wasser- und Elektrolythaushaltes: Infusion über 24−48 Stunden (hierbei Begleiterkrankungen z. B. von Herz und Niere beachten!).
- Chirurgische Intervention nur bei hochgradiger Ileussymptomatik. Eventuell schlechtere Prognose.

Der Artikel "Retrospektive Studie zur Sandanschoppung im Darm bei 54 Hunden" von Nadine Bresemann erschien in der Maiausgabe der Zeitschrift Kleintierpraxis und ist frei zugänglich.