Reproduktion | Aggression 20.03.2019

Scheinträchtige Hündin – wissen wir, was zu tun ist?

Scheinträchtigkeit ist bei Hündinnen wahrlich nicht selten. Doch statt evidenzbasierten Standardprotokollen folgt die Behandlung weiterhin dem Trial-and-Error-Prinzip.

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Foto: Sabrina Wobith - stock.adobe.com

Eine Umfrage unter britischen Tierärzten deutet darauf hin, dass Scheinträchtigkeit unterdiagnostiziert, als Ursache von Verhaltensproblemen wie Aggressivität nicht zuverlässig erkannt sowie völlig heterogen und oft zu kurz behandelt wird. Die Umfrage zielte auf die Anzahl der diagnostizierten Fälle, die Beschreibung der typischen körperlichen und Verhaltenssymptome sowie die Behandlungsstrategie.

Ergebnisse
Von 2.000 angeschriebenen Praxen antworteten 397 (19,8 Prozent). In fast allen Praxen war im letzten Jahr mindestens eine scheinträchtige Hündin mit Verhaltensänderungen, aber ohne körperliche Symptome, vorgestellt worden. Die meisten Hündinnen (96 Prozent) sammelten und „bemutterten“ Gegenstände. Obwohl fast alle Tierärzte (97 Prozent) auch Aggressivität bei scheinträchtigen Hündinnen beobachtet hatten, befragte nur die Hälfte (52 Prozent) die Tierbesitzer proaktiv nach Verhaltensänderungen. Knapp die Hälfte der Tierärzte (49 Prozent) hatte auch bei kastrierten Hündinnen Scheinträchtigkeiten gesehen. Die am häufigsten berichteten körperlichen Symptome waren ein vergrößertes Gesäuge und/oder Laktation (89 Prozent).
Die Therapieoptionen waren vielgestaltig (chirurgisch, medikamentös oder keine Behandlung) und hingen von der Dauer und Schwere der körperlichen und Verhaltenssymptome ab sowie auch von den Wünschen des Tierbesitzers, Kosten, Begleiterkrankungen, Verfügbarkeit von Arzneimitteln und der medizinischen Vorgeschichte.

Schlussfolgerungen
Die Symptome einer Scheinträchtigkeit sind sehr variabel und der Zustand wird möglicherweise nicht immer korrekt diagnostiziert. Es gibt keine standardisierten Behandlungsprotokolle. Zwar sind Fortschritte in der Diagnostik und den therapeutischen Möglichkeiten zu verzeichnen, aber es existieren zu wenige strukturierte Erhebungen zum klinischen Nutzen verschiedener Behandlungen, um endlich systematisierte Therapieschemata zu entwickeln. Dies mag ein interdisziplinäres Feld sein, das ethologische Aspekte mitberücksichtigen muss. Das sollte aber keine Entschuldigung dafür sein, dieses wichtige Thema weiterhin wissenschaftlich zu vernachlässigen. Christiane Fetzer

Zur Originalpublikation kommen Sie hier.