Reptilien | Tierschutz 03.12.2019

Schildkröten: Kastration ist nicht tiergerecht

Aggression ist bei männlichen Schildkröten und Echsen keine Indikation für eine Kastration.

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  • Stellungnahme der Auffangstation für Reptilien, München e.V. und der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz e.V. (TVT): Eine Kastration darf bei Reptilien nicht Mittel der Wahl bei Verhaltensproblemen sein.
  • Landschildkröten sollten außerhalb der Paarungszeit nach Geschlechtern getrennt gehalten werden.
  • Kastration schützt nicht vor Mykoplasmen-Infektionen.

Die Auffangstation für Reptilien, München e.V. und die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V. (TVT) haben eine Stellungnahme zur Kastration  männlicher Reptilien veröffentlicht. Sie halten eine Kastration nur dann für gerechtfertigt, wenn eine Verbesserung der Haltung nicht zum selben Resultat führen würde oder nicht durchführbar ist. Dr. Markus Baur, der Leiter der Auffangstation, sagt: „Ich lehne ab, dass wir uns Tiere zurechtschnitzen, statt Haltungsbedingungen anzupassen.“ Zur Kastration männlicher Schildkröten und Echsen gäbe es gute Alternativen. Probleme mit aggressiven oder hypersexuellen Schildkröten-Männchen sind meist hausgemacht: Leben viele sexuell aktive Tiere auf engem Raum, entstehen häufig Probleme.

Männliche Schildkröten zusammen halten?

In den Auffangstationen warten deutlich mehr männliche Landschildkröten auf die Vermittlung als weibliche Tiere. Dennoch sollten neue Schildkröten nur sehr selektiv in bestehende Gruppen aufgenommen werden. In den meisten Fällen ist von einer ganzjährigen gemischten Haltung abzuraten. Außerhalb der Paarungszeit sollten Männchen und Weibchen voneinander getrennt gehalten werden. Dafür reicht ein Brett oder Gitter im Gehege nicht aus, denn die Tiere dürfen sich weder sehen noch riechen. Große gemischte Gruppen brauchen ein wirklich großzügiges Gehege, das gut strukturiert ist und Versteckmöglichkeiten bietet.

  Schildkröten richtig füttern

Im natürlichen Lebensraum steht den Tieren frisches Grünfutter nur während der Paarungszeit zur Verfügung. Eine ganzjährige Ernährung mit mastigem Grünfutter kann daher eine Ursache für Dauerpaarungen sein und insbesondere bei einem unausgeglichenen Verhältnis von Männchen und Weibchen zu großem Tierleid führen.

Kastration kann Mykoplasmen bei Schildkröten nicht verhindern

Mykoplasmen rufen bei Schildkröten eine meist chronisch verlaufende Infektion der Nasenschleimhaut hervor. Infektionen treten häufig bei gestressten Tieren in dicht besetzten Gehegen auf. Ein häufig gebrauchtes Argument für die Kastration ist, dass durch den Eingriff der Stress in der Gruppe reduziert und die Gefahr einer Infektion gesenkt werde. Für Markus Baur ist dies jedoch keine Indikation, er sagt: „Mykoplasmen-Infektionen treten bei kastrierten und unkastrierten Tieren gleich häufig auf.“ Auch hier greifen die oben genannten Möglichkeiten einer optimierten Haltung, um Stressoren auszuschalten.

In Der Praktische Tierarzt, Ausgabe 1/2020, lesen Sie ein Interview mit Dr. Markus Baur zur Kastration männlicher Schildkröten . (VM)