ITIS | Analgesie 08.12.2017

Schmerzmanagement von Zahnpatienten

Die aktuell erschienenen Dental Guidelines der World Small Animal Veterinary Association (WSAVA) geben Tierärzten einen Leitfaden für die analgetische Versorgung von Zahnpatienten an die Hand.

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Zwei Dinge stellen die Richtlinien eindeutig klar: Erkrankungen der Maulhöhle und Zähne lösen Schmerzen aus. Und: eine vollständige Untersuchung und Behandlung der Zähne kann nur unter Allgemeinanästhesie stattfinden. Diese Meinung unterstützen auch die Experten der Initiative tiermedizinische Schmerztherapie (ITIS).

Ein Statement des American College of Veterinary Anesthesia and Analgesia zum Thema dentale Behandlungen ohne Anästhesie finden Sie hier.

Ein Problem, warum Krankheiten von Maulhöhle und Zähnen gar nicht, bzw. zu spät behandelt werden, ist die fehlende Klinik. Denn obwohl die meisten Hunde und Katzen Zahnprobleme haben, zeigen die wenigsten klinische Symptome. Nur selten sind die Anzeichen so ausgeprägt, dass sie Besitzern auffallen. Unerkannte Schmerzsymptome  bei Tieren sind ein großes Problem, auf das die Initiative tiermedizinische Schmerztherapie immer wieder hinweist.

Wenn Symptome auftreten, sind diese oft wenig spezifisch und nicht validiert. Zu ihnen zählen:

  • vermehrtes Speicheln
  • reduzierter Appetit
  • reiben des Gesichtes an Gegenständen, bzw. mit der Pfote
  • Mundgeruch
  • fehlender Spieltrieb

Für Hunde könne laut der WSAVA-Zahnexperten die Glasgow Pain Scale herangezogen werden, wobei hierfür noch konkrete Studiennachweise fehlen.

Leider sind kaum Studien publiziert, die sich mit dieser spezifischen Problematik beschäftigen. Beobachtungen  zeigen jedoch, dass Tiere nach einer dentalen Behandlung freundlicher werden, besser fressen, an Gewicht zunehmen oder vermehrt spielen.  

Opioide sind für die perioperative Schmerztherapie laut der Guidelines (Morphin, Hydromorphone, Methadon, Fentanyl, Buprenorphin) Mittel der Wahl.

Vorteile:

  • variable Sedationslevel und analgetische Effekte
  • Hunde: dosisabhängige analgetische Wirkung sowie Reduktion von Anästhetika möglich
  • Bukkale Verabreichung bei der Katze möglich (Buprenorphin, Methadon).

Nachteile:

  • Abgabe an den Patientenbesitzer schwierig
  • Entzündungsprozesse können die Absorption der Opioide durch eine Veränderung des bukkalen pHs beeinträchtigen

NSAIDS werden ebenfalls eingesetzt, da Zahnerkrankungen mit Entzündungen und Gewebstrauma einhergehen. Je nach Schwere des Eingriffs empfehlen die Leitlinien eine drei bis sieben-tägige-Gabe. Bei Katzen ist ihre Anwendung vor allem zur Verhinderung von chronischen Gingivostomatitiden wichtig. Für sehr starke Schmerzen nach komplexen Eingriffen (z.B. Maxillektomien) werden analgetische Infusionen (z.B. mit Opioiden, Lidocain oder Ketamin) in Kombination mit NSAIDs empfohlen. Infusionen sind vor allem auch bei Patienten mit Trismus zu empfehlen.

Zur Abgabe an den Patientenbesitzer eignen sich ebenfalls NSAIDS. Diese werden individuell mit Adjuvanzien wie Tramadol, Amitriptylin, Gabapentin oder Amantadin kombiniert. 

Mehr Informationen zur Schmerztherapie bei Tieren finden Sie auch auf der Homepage von ITIS.

Initiative tiermedizinische Schmerztherapie

ITIS ist ein Fachgremium, besetzt mit führenden Spezialisten für veterinärmedizinische Schmerztherapie. Die Experten rund um die Professorinnen Michaele Alef, Sabine Kästner, Heidrun Potschka und Sabine Tacke sowie Dr. Julia Tünsmeyer setzen sich für ein optimales Schmerzmanagement bei Haus- und Nutztieren ein. Zurzeit wird ITIS unterstützt von den Sponsoren Boehringer Ingelheim, CP-Pharma, Elanco, Merial, Royal Canin, Vétoquinol, WDT Wirtschaftsgenossenschaft deutscher Tierärzte eG  und Zoetis. Die Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG ist ein Partner der ITIS.