Der Praktische Tierarzt 01.10.2012

Zur Toxizität von Metaldehyd bei Hund und Katze

Zusammenfassung
Zu den häufigeren Vergiftungen, die in der tierärztlichen Praxis vorgestellt werden, gehört auch die Metaldehyd- Intoxikation. Während Katzen eher selten betroffen sind, können zugängliche – meist angebrochene – Packungen mit Schneckenkorn für Hunde durchaus attraktiv sein und deren Inhalt dann auch in großen Mengen aufgenommen werden. Das recht typische Symptombild mit initialer gastrointestinaler Symptomatik zusammen mit Ängstlichkeit und Hecheln und gefolgt von Koordinationsstörungen und neurologischen Symptomen, die in Krämpfen und Koma gipfeln können, wird meist begleitet von Fieber, was im englischen Sprachraum zur Bezeichnung „Shake and bake-Syndrom“ geführt hat. Wenn die Tiere erbrechen bzw. nach Magen- oder Darmspülung kann oft eine blaugefärbte Masse gefunden werden, die ebenfalls ein starker Hinweis auf die Aufnahme von Schneckenkorn ist. Da Metaldehyd zu Acetaldehyd und im Weiteren zu Essigsäure verstoffwechselt wird, kommt es vielfach zu einer metabolischen Azidose. Bei konsequenter Therapie kann die Vergiftung ohne bleibende Schäden überlebt werden. Die Behandlung ist symptomatisch und muss darauf abzielen, noch vorhandenes Gift aus dem Körper zu entfernen, sowie eine Krampfbehandlung mit Diazepam oder Barbituraten einschließen. Als Spätfolge der Metaldehyd-Intoxikation kann eine Leberschädigung auftreten. Zur Verhinderung von Vergiftungsfällen ist eine gründliche Aufklärung der Patientenbesitzer über das Vergiftungsrisiko erforderlich. Auch andere Haustiere außer Hund und Katze können, wenngleich selten, eine Metaldehyd-Intoxikation erleiden. Einzelberichte hierzu betrafen Rinder, Pferde und kleine Wiederkäuer, die Zugang zu Köder in größerer Menge hatten. Eine Schneckenkorn-Vergiftung muss daher auch bei diesen Spezies differenzialdiagnostisch bei entsprechendem Symptombild in Erwägung gezogen werden. Das Vergiftungsrisiko für wildlebende Tiere, einschließlich Igel, wird als sehr gering eingestuft, ebenso sind im Wasser lebende Organismen nicht durch die Ausbringung von Metaldehyd als Pflanzenschutzmittel gefährdet.

Schlüsselwörter:
Schneckenkorn, shake and bake, Vergiftung


Summary
Toxicity of metaldehyde in the dog and cat
Metaldehyde intoxication is among the more common intoxications that veterinarians may be confronted with. While it is a rare event in cats, dogs may be attracted by open bait boxes and possibly ingest larger amounts. The rather typical symptoms are initial salivation and emesis, anxiety and hyperpnea, followed by incoordination, seizures and convulsions. The typical combination with fever is the reason for the name “shake and bake syndrome”, describing the typical presentation of patients. After vomiting/diarrhea, or as result of gastric and intestinal lavage, a blue mass is often produced and gives another hint to the underlying cause. Since metaldehyde is metabolized to acetaldehyde and then to acetic acid, respectively, metabolic acidosis is often encountered. With consequent therapy, the intoxication may well be survived leaving no lasting damages. Treatment is symptomatic and predominantly aims at removal of the agent, combined with anticonvulsant therapy with diazepam and barbiturates. As a sequel of metaldehyde intoxication, liver damage may occur later. In order to prevent intoxications, patient owners must be carefully advised on the risk of toxin intake. Pets other than dogs and cats may also suffer from metaldehyde intoxication. Literature reports are however rare and deal with single cases of horses, cattle and goat that eventually ingested larger amounts of accessible slug or snail bait. Accordingly, in cases with respective symptoms, metaldehyde toxicosis must be considered as differenzial diagnosis also in these species. The risk of intoxication for wild animals, including hedgehogs, can be considered as negligible. This holds also true for aquatic organisms.

Keywords:
snail and slug bait, shake and bake, intoxication

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