Berliner und Münchener Tierärztliche Wochenschrift 19.06.2018

Severity assessment from an animal’s point of view

Belastungsbeurteilung aus Sicht des Tieres

Abstract
Severity assessment in animal experimentation is a complex biomedical and ethical issue. While the requirements for laboratory animal science regarding assessment of severity are getting more demanding, criteria for such an assessment are still biased by uncertainty. The interpretation of physiological and behavioral measures in relation to animal welfare is difficult and often reflecting an educated gut feeling rather than scientifically sound conclusions. Here, we argue for the importance of including the animals’ perspective into severity assessment. Preference tests are a straightforward approach in asking the appraisal of different goods. However, preference for one good over another does not necessarily indicate suffering if the access to the preferred good is denied. Nor can the overall severity of an experimental measurement be derived solely from the fact that the animal would rather not participate in such a procedure. To gain a better understanding of the valence of choices made, there is demand for sophisticated tests which allow estimating the strength of the respective preferences. Animals usually cannot choose to avoid experimental procedures and such experiences leave traces in internal affective states. These emotion-like states can be revealed using tests of cognitive bias, which ask the animal if future expectations are “optimistic” or “pessimistic”. Advancing these methods on testing cognitive bias in
mice allows a comprehensive severity assessment taking internal affective states into account. The set of measures proposed here include the animal’s point of
view in severity assessment with regard to their preference and valence of future expectations.

Keywords
choice test, preference test, cognitive bias, refinement, animal welfare

Zusammenfassung
Die Beurteilung der Belastung im Tierversuch stellt eine komplexe ethische und biomedizinische Herausforderung dar. Die Anforderungen an die Versuchstierkunde bezüglich der Belastungseinschätzung steigen stetig. Derzeit fehlen jedoch wissenschaftliche überprüfbare Messparameter um die Belastungen aus Sicht der Tiere einschätzen zu können. Die Interpretation von Verhaltensdaten und physiologischer Parameter im Zusammenhang mit tierlichem Wohlergehen ist nicht immer eindeutig; anstelle valider wissenschaftlicher Kriterien tritt mitunter ein „Bauchgefühl“ des Beurteilenden. Dieser Übersichtsartikel diskutiert die besondere Bedeutung, die Tiere selbst bei Belastungseinschätzung zu „befragen“. In Wahlversuchen können die Tiere zwischen verschiedenen Ressourcen wählen. Die Bevorzugung eines Gutes gegenüber einem anderen führt dann aber nicht zwangsläufig zu Leid, wenn das Tier keinen Zugang zum präferierten Gut hat. Um die Präferenzen der Tiere besser beurteilen zu können, besteht ein dringender Bedarf für aussagekräftigere Präferenztests. Ferner können Tiere üblicherweise nicht frei entscheiden, ob sie an bestimmten Versuchen teilnehmen wollen. In Tierversuchen getestet zu werden, könnte den emotionalen Status der Tiere messbar beeinträchtigen. Zwar sind die inneren emotionalen Zustände nicht immer offensichtlich, sie können jedoch mit Hilfe des Erwartungsvalenztests experimentell sichtbar gemacht werden. Dieses Verfahren gibt Aufschluss über die Erwartungshaltung der Tiere gegenüber zukünftigen Ereignissen, anthropomorph formuliert, ob sie die Zukunft eher „optimistisch“ oder „pessimistisch“ sehen. Eine Erweiterung dieses Erwartungsvalenztests für Mäuse könnte eine
umfassendere Belastungseinschätzung möglich machen, die auch die emotionalen Zustände der Tiere berücksichtigt. Die hier vorgeschlagenen Methoden
zielen auf eine Belastungseinschätzung aus Sicht der Tiere ab, indem deren Präferenz und Erwartungsvalenz mit einbezogen werden.

Schlüsselwörter
Präferenztest, Wahlversuch, Erwartungsvalenz, Refinement, Wohlergehen

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