Corona | Natur 09.04.2020

Shutdown: Wildtiere in leeren Städten

Kojoten schleichen durch San Francisco, in Barcelona kreuzt ein Wildschwein die Straße – mit dem Rückzug der Menschen passen wilde Tiere ihr Verhalten an.

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Foto: Hark - stock.adobe.com

Wo sich sonst Touristen drängeln und Autos rasen, herrscht jetzt ungewohnte Stille. Weltweit hat die Corona-Pandemie Menschen in ihre Häuser zurückgedrängt. Der Lebensraum Stadt hat sich verändert und Bewohner, die sich sonst nur selten zeigen, sind plötzlich auf der Straße zu sehen. In den Medien häufen sich die Fotos: ein Kojote vor dem Panorama der Golden Gate Bridge, ein Jaguar, der durch ein Hotelgelände in Mexiko streift, Delfine im Hafen von Cagliari. Die vielleicht schönsten Bilder stammen aus dem Küstenstädtchen Llandudno in Wales, durch dessen Straßen marodierende Kaschmirziegen aus einem nahen Naturpark zogen: Sie standen in den Blumenbeeten, sprangen auf Mauern und fraßen Hecken.

Erobert die Natur sich jetzt die Stadt zurück?
In einigen Fällen wagen sich Wildtiere in der momentanen Ruhe wahrscheinlich wirklich weiter vor als sonst. Andere Tiere fallen wohl einfach mehr auf, obwohl sie sich die Stadt schon seit langem als Lebensraum erobert haben: zum Beispiel Marder, Füchse oder Wildschweine. Und bei dem Bild von Delfinen in den klaren Kanälen Venedigs, das in sozialen Medien kursiert, handelt es sich genauso um ein Fake wie bei dem Foto von Nessie, die sich in den leeren Straßen Edinburghs tummelt.

Ratten und Tauben hungern
Für Tiere, die sich von menschlichen Abfällen ernähren, sind die Zeiten hart. „Pizza rat“ wurde berühmt, als sie in der New Yorker U-Bahn dabei gefilmt wurde, wie sie ein komplettes Pizzastück über die Treppen schleifte. Jetzt sind in der U-Bahn seltener Ratten zu sehen, es fehlt der Müll. Hauptnahrungsquelle der Stadtratten sind die Abfalltonnen der Restaurants – im Moment haben sie geschlossen. In New Orleans huschen Ratten tagsüber durch das French Quarter. Sie suchen vergeblich nach Futter. Genauso wie die Tauben, denen Brotkrümel und Körner fehlen. Tierschützer fordern städtische Futterstellen, damit die Vögel nicht verhungern.(VM)