Telemedizin | COVID-19 15.04.2020

Telemedizin: Wenn nicht jetzt, wann dann?

In Zeiten von Corona gilt es das Infektionsrisiko zu minimieren. Telemedizin stellt hierfür eine gute Möglichkeit dar. Doch wie sieht es aus mit Datenschutz, Werbung und Arzneimittelversand?

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Was die Anwendung von Telemedizin angeht, so haben deutsche Tierärzte noch ganz schön viel aufzuholen. Laut einer Umfrage der Marktforscher von CM Research, bieten derzeit nur 16 % der Praxen Online-Konsultationen an. Auch hier macht es der Föderalismus kompliziert: Denn was telemedizinisch erlaubt ist und was nicht, ist Ländersache. Dennoch gilt es folgende Worte der Bundestierärztekammer zu verinnerlichen: "Gerade in der aktuell vorliegenden Ausnahmesituation kann örtliche Distanz, welche die Telemedizin gewährleistet, einen enorm wichtigen Beitrag zum Schutz von Patientenbesitzern und tierärztlich tätigem Personal leisten, und somit signifikant zum Schutz wichtiger Ressourcen beitragen." Somit ist eine Lockerung von Paragraph 12 der Berufsordnung, in dem das Fernebehandlungsverbot verankert ist, gerade zum jetzigen Zeitpunkt denkbar. So berichtete Gabriele Moog vom bpt, dass er bereits Kollegen gebe, die nicht auf eine 100 %-ige Rechtssicherheit warten, sondern neue Methoden bereits ausprobieren. Längerfristiges Ziel ist es, Rahmenvorgaben zu schaffen, die eine Standardisierung von televeterinärmedizinischen Aktivitäten ermöglichen. Die Bundestierärztekammer ist bereits an die Landestierärztekammern herangetreten. Auch der Europäische Dachverband (FVE) arbeitet an einem Positionspapier.

Was müssen Praktiker beachten?

Diese Empfehlungen zur Anwendung von Telemedizin hat die BTK in der letzten Woche veröffentlicht.

Folgende Punkte sind hervorzuheben:

1. Werbung erlaubt: Aus rechtlicher Sicht spricht nichts dagegen, telemedizinische Angebote zu bewerben, sofern die Werbung nicht marktschreierisch ist oder einem unlauteren Wettbewerb entspricht.

2. Positionierung: Tierärzte sollten sich klar von Anbietern abgrenzen, die kleine Praxis im Hintergrund haben, bzw. denen kein tiermedizinischer Hintergrund zugrunde liegt. Denn: Weiterhin sind telemedizinische Methoden immer nur als Ergänzung zum konventionellen Tierarztkontakt anzusehen!

3. Normale Sorgfalt walten lassen: Bei der Anwendung von Telemedizin sind tiermedizinische Standards weiter einzuhalten: Sie müssen vertreten können, was und argumentieren können, warum Sie etwas tun! (Stichwort Haftungsrecht)

4. Unbedingt dokumentieren! Es sollte in jedem Fall dokumentiert werden, welche Maßnahmen warum eingesetzt wurden. Auch die Aufklärung von Tierbesitzern ist zu dokumentieren.

5. Qualitätssicherung: Checklisten können helfen, die auch für Telemedizin erforderliche Qualitätssicherung einzuhalten.

6. Arzneimittelversand: Der Versand von AM ist bei einem bestehenden Kundenverhältnis möglich, der Versand antimikrobieller AM an lebensmittelliefernde Tiere muss hingegen sehr gut begründet sein (rechtliche Grauzone).

7. Datenschutz einhalten: Aus Datenschutzgründen müssen die Internet- und Telefonverbindungen gesichert sein. Bei der Überprüfung können IT-Spezialisten helfen, die z.B. auch die Praxissoftware betreuen.

Auch das Webinar des bpt hat das Thema Telemedizin rechtlich beleuchtet. Die Aufzeichnung steht Mitgliedern bis zum 19.04 kostenfrei zur Verfügung und ist für Nicht-Mitglieder für 20 Euro buchbar.. Ebenfalls findet am 21.April um 20 Uhr ein kostenfreies Webinar zum Thema "Die digitale Tierarztpraxis - neue Wege in der Kundenkommunikation" statt.