Telemedizin | Aktuelles 28.05.2020

Telemedizin: Testergebnisse, eine Umfrage und Kritik

Digitale Möglichkeiten: Tierarzt Björn Becker liefert Tipps und Fragen, die Stiftung Warentest hat Videochatprogramme getestet. Kritik gibt es von der Österreichischen Tierärztekammer.

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Foto: VRD - stock.adobe.com

- Tierarzt und Praxisinhaber Björn Becker schreibt eine Dissertation zum Thema Telemedizin. Er sagt: Tierärzte müssen die Methoden als ernst zu nehmende Zusatzdisziplin erachten und sollten sich langsam an die neuen Möglichkeiten herantasten.
- Es gibt zahlreiche kostenfreie Möglichkeiten für Tierärzte, die sich ausprobieren wollen.
- Dies bestätigen auch die Tests der Stiftung Warentest: Kostenfreie Videochatprobleme sind ausreichend.
- Die Österreichische Tierärztekammer hat Kritik geäußert: Sonderregelungen, die für die Humanmedizin gelten, seien nicht einfach auf die Veterinärmedizin übertragbar.

Immer noch neu und doch nicht aufzuhalten: Welche Entwicklungen es im Bereich der Telemedizin gibt und was dabei zu beachten ist, haben wir bereits thematisiert.
Tierarzt und Marketingexperte Björn Becker probiert in seiner Praxis in Bad Bentheim bereits allerhand Digitales im Alltag aus.

Welche Technik brauche ich?

Mit folgendem Equipment hat Björn Becker gute Erfahrungen gemacht:

- Basics: gute Internetverbindung (Glasfaser). Headset, Webcam, Fotoleuchte bzw. Ringlicht für attraktives, diffuses Licht
- Digitalisierung von Daten z. B. über Cloud-Software Animana (enthält z. B. auch eine SMS-Funktion)
- Kommunikationssoftware: Beispiel vetelya enthält integrierte Bezahlfunktion über PayPal, vetstoria für Onlinetermine und Chatfunktion. Zoom, Skype oder Facetime: auch für kontaktarme Teammeetings geeignet
- WhatsApp, sicherer Threema, Jitsi-Meet

Wer wissen möchte, welche Videochatprogramme etwas taugen: Die Stiftung Warentest hat eine aktuellen Vergleich durchgeführt. Testsieger waren Microsoft Teams (inzwischen kostenfrei), gefolgt von Skype und Jitsi Meet. Das größte Manko aller Programme ist der Datenschutz. Die weiteren Testergebnisse finden Sie hier.

Derzeit in der Prüfung befinden sich Online-Sprechstunden in Österreich. "Anders als menschliche PatientInnen seien Tiere nicht in der Lage ihr Leiden selbst dem Tierarzt oder der Tierärztin zu schildern, sodass der persönliche Eindruck und damit die Untersuchung durch den Tierarzt oder die Tierärztin nicht einfach zu ersetzen ist. Selbst auch Videos, Bilder und Schilderungen, die von BesitzerInnen übermittelt werden, können eine solche nicht substituieren", schreibt die Kammer und verweist auf "zahlreiche Rechtswidrigkeiten", die es zu klären gebe.

Wie stehen Sie zum Thema? Derzeit läuft noch eine aktuelle Umfrage im Zuge von Beckers Dissertation, die den Kenntnisstand von Tierärzten zum Thema Telemedizin beleuchtet. In der aktuellen Ausgabe von Der Praktische Tierarzt gibt der Praxisinhaber zusätzlich viele Tipps an die Kollegen weiter.