Rind | Chirurgie 05.05.2020

Therapie von Knochensequestern beim Rind - wann operieren?

Knochensequester verursachen tiefe, fistelnde Verletzungen an den distalen Gliedmaßen, die schlecht heilen. Unser aktueller, frei zugänglicher Artikel erklärt, wann der richtige Zeitpunkt für die Entnahme ist.

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Foto: Maike Heppelmann

Tiefe Verletzungen im distalen Gliedmaßenbereich beim Rind haben oft eine schlechte Heilungstendenz und stellen damit den behandelnden Tierarzt vor eine große Herausforderung. Sie fallen vor allem durch
- Fistelbildung und
- eine andauernde eitrige Exsudation auf.

Der fehlende Verschluss der Wunde wird in vielen Fällen durch einen in der Tiefe liegenden Knochensequester verursacht. Die konservative, antibiotische Behandlung führt in diesen Fällen höchstens zu einer vorübergehenden Besserung der klinischen Symptome. In den meisten Fällen ist die chirurgische Entfernung des Knochensequesters die Therapie der Wahl. In seltenen Fällen kann es unter langwieriger antibiotischer Behandlung zu einer Resorption des Sequesters kommen.

Zeitpunkt der Behandlung
Konservativ: Da die vaskuläre Stase und das nekrotische Material um den Knochensequester herum das Erreichen eines therapeutischen Levels des Antibiotikums verhindern und sich Abwehrmechanismen etablieren wird nach der Entstehung des Traumas einen zeitnahen Beginn einer systemischen Antibiose und ein entsprechendes Wundmanagement empfohlen.

Chirurgisch : Der ideale Zeitpunkt für eine Sequesterotomie wird mit drei bis vier Wochen nach Verletzung bzw. Trauma angegeben. In den seltenen Fällen einer frühen Diagnose kann sich der Sequester zur Operation eventuell noch nicht genügend vom unterliegenden Gewebe gelöst haben. Führt man den Eingriff zu spät durch, kann es infolge von periostalen knöchernen Zubildungen und vorhandenem Granulationsgewebe zu Behinderungen kommen.

Anästhesie und Analgesie: Je nach Lokalisation des Sequesters sollten eine lokale und/oder allgemeine Anästhesie durchgeführt werden.

- Für eine lokale Schmerzausschaltung in den Bereichen distal des Karpus und des Tarsus kann eine intravenöse Stauungsanästhesie mit 30–50 ml Lokalanästhetikum erfolgen (Nuss et al. 2017).
- An den Hinterglied­maßen kann mithilfe einer hohen sakralen Epiduralanästhesie eine Schmerzausschaltung erreicht werden. Bei der Verwendung eines 2%igen Lokalanästhetikums (10 ml/100 kg KGW) kommt es allerdings zu einem motorischen Block und somit zu einem Verlust der Standfähigkeit (Nuss et al. 2017). Dies kann durch die Verwendung von Xylazin (0,1 mg/kg KGW) 20–30 ml aqua ad injectionem oder Kochsalzlösung bei den meisten Tieren umgangen werden (Heppelmann et al. 2019).
- Eine allgemeine Anästhesie wird mit einer Kombination von Xylazin (0,1 mg/kg KGW, intramuskulär), gefolgt von Ketamin (2–5 mg/kg KGW, intravenös) durchgeführt. Die Dauer der Injektionsnarkose kann durch weitere, niedrig dosierte Applikationen von Ketamin verlängert werden (Seddighi und Doherty 2016, Starke et al. 2009).
- Begleitend zur Sequesterotomie erfolgt eine allgemeine Antibiose über etwa eine Woche. Hierbei sollten Antibiotika verwendet werden, die gegen oben genannte Erreger wirksam sind, bspw. Amoxicillin.
- Zusätzlich sollte eine mehrmalige Gabe eines gängigen NSAIDs erfolgen.

Wie die Sequesterotomie genau funktioniert, können Sie in Maike Heppelmanns frei zugänglichem Artikel "Therapie von Knochensequestern an den distalen Gliedmaßen beim Rind" aus der aktuellen Ausgabe von Der Praktische Tierarzt nachlesen.