Darmerkrankung | Therapie 17.05.2019

Therapieoptionen bei IBD

Den Leidensdruck verringern: Welche Therapieoptionen stehen Tierärzten bei der Behandlung der Inflammatory Bowel Disease (IBD) zur Verfügung?

Wenn alle Ursachen, die bekannterweise zu einer Enteritis bzw. Kolitis führen können (z. B. Parasiten, Futtermittel-responsive Enteropathien, Infektionen mit entero-invasiven Escherichia [E.] coli bei empfänglichen Hunden) ausgeschlossen wurden, sprechen Kliniker von einer idiopathischen IBD, also einer chronischen Darmentzündung. Der Nachweis erfolgt histologisch.

Fütterung: Bei jedem Patienten mit chronischen gastrointestinalen Symptomen sollte besonderes Augenmerk auf die Fütterung gelegt werden.

Dabei haben sich hydrolysierte und Eliminationsdiäten mit einer neuen Protein- und Kohlenhydratquelle besonders bewährt, um

a) Futtermittel-responsiven Enteropathie als DD zur IBD abzuklären
b) das Prinzip des sogenannten Opferproteins therapeutisch zu nutzen (Diät mit einer seltenen und genau definierten Eiweißquelle, die dann im Falle einer Sensibilisierung leicht vermieden werden kann).
Ebenso ist der Vorteil, dass stark hydrolysierten Eiweißquellen durch ihr geringes Molekulargewicht nur eine geringe/keine immunologische Reaktion auslösen.

Pro & Präbiotika sind einen Versuch wert. Kliniker sollten darauf achten, Produkte mit einer hohen Anzahl an lebenden Bakterien einzusetzen. Neben der Konzentration ist auch die Zusammensetzung der Bakterienpopulation zu beachten. Grundsätzlich erfüllt jeder einzelne Bakterienstamm eine oder mehrere stammspezifische Aufgaben. Allgemein gesprochen sind probiotische Stämme unter anderem in der Lage, das Immunsystem des Patienten positiv zu beeinflussen, antientzündlich zu wirken, die Darmbarriere zu stärken oder auch Pathogene zu verdrängen.

Kottransplantation: Bei einer Kottransplantation (Fecal Microbiota Transplantation, FMT) wird eine noch höhere Anzahl an Darmbakterien als bei einer Probiotikatherapie von einem geeigneten Spender direkt in den Magen-Darm-Trakt eines Patienten übertragen. Geeignete Spender weisen eine stabile und gesunde Darmflora auf und müssen – bewiesen durch eine Kotuntersuchung – frei von potenziell pathogenen Bakterien, Viren (z. B. Parvovirus) und Parasiten sein. Zusätzlich dürfen Spender vorberichtlich keine gastrointestinalen Symptome aufweisen und sollten mindestens in den letzten drei Monaten nicht antibiotisch behandelt worden sein. Der gesammelte Kot wird aufbereitet, indem er, mit physiologischer Kochsalzlösung verdünnt, in einem Mixer homogen vermischt und anschließend über eine Sonde entweder rektal in den Dickdarm oder im Rahmen einer Endoskopie in den Dünndarm appliziert wird. Für gewöhnlich ist es notwendig, Kottransplantationen regelmäßig zu wiederholen, da sich einige Wochen nach der Transplantation erneut eine Dysbiose einstellt.

Immunsuppressiva: Eine Reduktion der Entzündung in der Darmwand durch Immunsuppression stellt die wichtigste Therapiemaßnahme bei der Behandlung der IBD dar. Die am häufigsten verwendete Gruppe der Immunsuppressiva bilden die Glukokortikoide (GK). Prednisolon und Prednison werden initial bevorzugt. Dosierung: 1 mg/kg alle zwölf bis 24 Stunden für die ersten Wochen. Bei schweren Verlaufsformen kann eine parenterale Verabreichung von Nutzen sein, da die enterale Resorption von Medikamenten meist stark eingeschränkt ist. Um die zahlreichen Nebenwirkungen einzuschränken sollte die Dosierung alle drei bis vier Wochen um 25 % reduziert, bzw. eine Kombinationsgabe verschiedener Immunsuppressiva angestrebt werden. Bei schlechtem Ansprechen auf GKs kann Ciclosporin versucht werden (teuer!).

Cobalamin: Eine Hypocobalaminämie muss bei jedem Patienten mit einer IBD korrigiert werden. In der Regel wird dieses wasserlösliche Vit­amin einmal wöchentlich subkutan injiziert, bis nach erfolgreicher Therapie der Darmentzündung der Cobalaminspiegel wieder ohne Substitution aufrechterhalten werden kann.

Abonnenten der Kleintierpraxis können den vollständigen Fortbildungsartikel "Inflammatory Bowel Disease beim Hund" in der aktuellen Ausgabe nachlesen und ATF-Punkte sammeln.