Intoxikation | Geflügel 07.02.2018

Tote Hühner - an Vergiftungen denken!

Obwohl Hühnervögel gegenüber klassischen Cumarinderivaten unempfindlicher sind als Säuger, können Rodentizide der zweiten Generation zu letalen Intoxikationen führen. Dies zeigt ein aktueller, frei zugänglicher Fallbericht.

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Foto: Kummerfeld

In ländlichen Regionen ist es nichts ungewöhnliches, dass auch Hühner in der Praxis vorgestellt werden. Liegen plötzlich mehrere Tiere tot im Stall, muss mitunter ein Pathologe zu Rate gezogen werden. Ist eine Seuche die Ursache? Letal verlaufende Intoxikationen durch „klassisches Rattengift“ traten beim Geflügel in der zurückliegenden Zeit eher selten auf. Dies kann sich künftig ändern.

Intensiv gehaltenem Nutzgeflügel war der Zugang zu Giftködern bisher schlichtweg nicht möglich. Dies hat sich verändert, seit die extensive Freilandhaltung wieder mehr "en vogue" ist. Begründen lassen sich die äußerst seltenen Fälle aber auch damit, dass Hühner eine um Faktor 100 höhere Toleranz im Vergleich zu Säugern wie z. B. Ratten oder Hunden gegenüber den älteren Gerinnungshemmern wie Warfarin haben. Zudem mussten die alten Wirkstoffe kontinuierlich über einen längeren Zeitraum aufgenommen werden, um zu einer tödlichen Gerinnungsstörung zu führen.

Die Rodentizide der 2. Generation von Cumarinderivaten haben hingegen eine bedeutend höhere toxische Potenz, verbunden mit einer erheblich verlängerten Ausscheidungszeit. Sie sollen schon nach einmaliger Aufnahme akut zu letalen Vergiftungen führen, um der ständig zunehmenden Resistenzbildung gegen klassische Cumarine bei den zu bekämpfenden Nagern wirkungsvoll zu begegnen. Wie ein aktueller, frei zugänglicher Fallbericht aus Der Praktische Tierarzt zeigt, können diese Wirkstoffe auch den sonst so unempfindlichen Hühnern zum Verhängnis werden - vor allem wenn diese in extensiver Freilandhaltung leben. Die Details zum Fall finden Sie hier.

Demnach sollten Tierärzte Halter von im Freiland gehaltenem Geflügel unbedingt darauf hinweisen, Köder mit Rodentiziden nur in Köderboxen auszulegen. Zudem muss die klinische wie die pathologische Differenzialdiagnostik Intoxikationen durch Cumarine jetzt auch bei Hühnern (und anderen Haus- und Wildtieren) in Betracht ziehen. Diese können sich in der Sektion zum Beispiel als blaue Paste oder rosa eingefärbte Getreideflocken zeigen (siehe Bild).