Medikation | Heimtier 20.02.2019

Chinchillas: Tramadol als Schmerzmittel?

Eine aktuelle Studie hat die Effektivität und mögliche Nebenwirkungen des Opioids bei Chinchillas untersucht.

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Foto: Murushki - stock.adobe.com

Die Ausgangslage: Tramadol wurde als Medikation für mittlere bis starke Schmerzen bei Ratten und Mäusen beschrieben. Auch für andere Kleinsäuger wird es häufig in Dosierungen zwischen 5 und 40 mg/kg ein- oder zweimal täglich oral oder parenteral verwendet. Allerdings fehlen außer für Mäuse und Ratten bisher Studien, welche die Wirksamkeit bei Kleinsäugern belegen.

Die Studie: Evenson und Mans testeten daher unterschiedliche Dosierungen von Tramadol in einer parenteralen Verabreichung bei Chinchillas. Sie führten dafür eine randomisierte, kontrollierte, verblindete Studie durch, wobei sie nach einmaliger Tramadolverabreichung die Rückziehzeit auf einen thermischen Schmerzreiz maßen. Außerdem achteten sie auf Nebenwirkungen wie verringerte Futteraufnahme, verminderten Kotabsatz oder neurologische Symptome. In einer Vorstudie stellten die Autoren bei einer einmaligen Dosierung von 60 mg/kg bei allen Chinchillas neurologische Symptome wie Zittern und Muskelzuckungen fest. Daher wurde die Studie nur bis 40 mg/kg durchgeführt.

Ergebnisse:

  • Keine ausreichende Analgesie: In keiner der getesteten Dosierungen hatte Tramadol einen signifikanten Effekt in Bezug auf einen thermischen Schmerzreiz. Nur bei der 40 mg/kg Dosierung war nach einer und zwei Stunden ein nicht signifikanter Trend sichtbar.
  • Nebenwirkungem: signifikante Reduktion der Futteraufnahme und des Kotabsatzes. Diese Nebenwirkungen hielten teilweise bis zu 48 Stunden an und verschwanden dann
  • Fazit: Die Autoren kommen daher zu dem Schluss, dass Tramadol nicht zur Schmerzmedikation bei Chinchillas geeignet ist. Auch wenn in der vorliegenden Studie nur ein thermischer Schmerzreiz getestet wurde, sei trotzdem davon auszugehen, dass auch bei anderen Schmerztypen keine ausreichende Analgesie zu erreichen ist. Aufgrund der in der Vorstudie aufgetretenen massiven Nebenwirkungen ist die Dosierung nicht höher wählbar. Die Autoren vermuten, dass auch bei oraler Verabreichung kein entsprechend hoher Wirkspiegel und damit keine ausreichende Analgesie erreicht werden kannn. Maximilian Reuschel

Lesen SIe die Originalpublikation hier.