ITIS | Aus der Forschung 21.06.2018

Tramadol bei der Katze

Während die Wirkung von Tramadol beim Hund zweifelhaft ist, könnte der Wirkstoff Katzen mit Arthroseschmerzen helfen.

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Foto: MEV-Verlag, Germany

In der immer älter werdenden Population von Hauskatzen ist die Osteoathritis (OA) eine weitverbreitete Erkrankung. Es wird geschätzt, dass bis zu 90 Prozent aller geriatrischen Katzen betroffen sind. Häufig wird die Lebensqualität dieser Tiere durch den mit OA assoziierten Schmerz, eine eingeschränkt Mobilität und eine veränderte Mensch-Katze-Beziehung reduziert.

Traditionell wird OA Schmerz meist mit nicht-steroidalen Entzündungshemmern therapiert. Da diese aber ein nicht unerhebliches Potenzial für die Verursachungen von unerwünschten Arzneimittelwirkungen habe, suchen Forscher weiter nach gut verträglichen Alterativen. Nun wurde die orale Gabe von Tramadol zur analgetischen Therapie bei Osteoarthritis untersucht.

Drei Arzneimitteldosierungen wurden mit einem Placebo verglichen

Vierundzwanzig geriatrische Wohnungskatzen (zehn Jahre) mit eingeschränkter Mobilität und röntgenologischer und klinischer Evidenz von OA in mindestens einem Gelenk wurden initial untersucht. 17 der Katzen nahmen bis zum Ende an der Studie teil.

In einer randomisierten Cross-over-Studie erhielt jede Katze zweimal täglich oral 1 mg/kg, 2 mg/kg, 4 mg/kg Tramadol oder ein Placebo über fünf Tage. Zwischen den unterschiedlichen Behandlungen wurde je eine Therapiepause von 14 Tagen eingehalten.

Der Therapieerfolg wurde mittels eines am Halsband befestigten Bewegungssensors und eines Besitzerfragebogens ermittelt.

Verbesserte Mobilität und Lebensqualität mit 2 mg/kg Tramadol, aber dosisabhängige Nebenwirkungen

Im Vergleich zur Placebogruppe zeigte sich unter Therapie mit 2 mg/kg Tramadol die größte Steigerung der Mobilität. Auch der Besitzerfragebogen zeigte eine signifikante Besserung in dieser Behandlungsgruppe im Vergleich zu den Tagen vor Therapiebeginn. Über alle Studiengruppen gaben Besitzer in 85 Prozent der Fälle eine gesteigerte Lebensqualität ihrer Tiere während der Studie an.

Mit steigender Dosis traten unerwünschte Wirkungen wie Euphorie, Sedation, Mydriasis, reduzierter Appetit und Diarrhö häufiger auf (8/19 Tiere in 4 mg/kg).

Die Autoren diskutieren, dass die gesteigerte Mobilität durch eine reduzierte zentrale Sensitivität über die Modulation von entzündungsfördernden Zytokinen verursacht sein kann. Sie geben aber auch kritisch an, dass Nebenwirkungen wie Euphorie die Auswertung der Bewegungsdaten beeinflussen könnten.

Fazit

Die orale Gabe von 2 mg/kg Tramadol steigerte die Beweglichkeit und Lebensqualität der untersuchten Katzen. Da dosisabhängige unerwünschte Arzneimittelwirkungen auftraten empfiehlt sich für die klinische Anwendung eine genau Beobachtung der Patienten und eine Dosisanpassung an den Bedarf des jeweiligen Patienten. Die Applikation zusammen mit anderen Arzneimitteln wurde hier nicht untersucht und sollte mit Vorsicht geschehen.

Hinweis

Der hier vorgestellte Artikel wurde außerhalb der EU verfasst. Bei der Auswahl eines geeigneten Analgetikums müssen hier neben dem klinischen Krankheitsbild auch rechtliche Aspekte in Betracht gezogen werden. So ist nach Arzneimittelgesetz immer zuerst ein für die jeweilige Tierart und Indikation zugelassenes Arzneimittel zu wählen. In Deutschland sind zurzeit nicht-steroidale Entzündungshemmer für die Therapie der OA bei der Katze zugelassen und müssen daher als erste Wahl eingesetzt werden. Kann mit diesen kein ausreichender Therapieerfolg erzielt werden, dürfen mit Hilfe der Umwidmungskaskade andere Analgetika, die

a) für andere Indikationen für die Katze oder

b) für OA Therapie bei anderen Tierarten zugelassene sind zum Einsatz kommen.

Erst wenn auch dieser Schritt nicht zum Erfolg führt dürfen in der EU Humanarzneimitte (z.B. Tamadol) umgewidmet werden.

Da es sich bei der Osteoarthritis um ein entzündliches Geschehen handelt, wäre die Untersuchung des Einsatzes von Tramadol im Vergleich zu einem nicht-steroidalen Entzündungshemmer für die klinische Anwendung interessant. Leider war dies nicht Gegenstand der vorliegenden Studie. Alexandra Schütter

In der Rubrik Journal Club werden aktuelle wissenschaftliche Veröffentlichungen zusammengefasst und diskutiert. Die Originalpublikation finden Sie hier (DOI 10.2460/javma.252.5.565)

Die Initiative tiermedizinische Schmerztherapie (ITIS) stellt regelmäßig aktuelle Literatur zu Schmerzerkennung und -therapie vor. Einen Bericht zur mangelnden Wirkung von Tramadol im perioperativen Einsatz beim Hund lesen Sie hier. Weitere Informationen, unter anderem zur Kombination von Meloxicam und Tramadol, finden Sie auf der Homepage der ITIS.

Die Arbeit der ITIS wird von Sponsoren engagiert begleitet und ermöglicht. Im Jahr 2018 wird ITIS unterstützt von Boehringer Ingelheim, CP-Pharma, Elanco Animal Health, Vétoquinol, Zoetis und der WDT.