Journal Club 11.04.2018

Tramadol für perioperative Analgesie zweifelhaft

Tramadol ist ein Opioid, das nicht unter das Betäubungsmittelgesetz fällt und beim Hund empirisch unter anderem zur perioperativen Analgesie eingesetzt wird. Diese Maßnahme wird durch eine Laborstudie nun infrage gestellt.

Tramadol hat keine veterinärmedizinische Zulassung und ist nicht abschließend zur Anwendung bei Tieren geprüft. Dennoch wird es in der Schmerztherapie bei Kleintieren eingesetzt. Voraussetzung für die Analgesie ist die Metabolisierung von Tramadol zu O-Desmethyltramadol. Die Pharmakokinetik ist für den Hund nicht erschöpfend untersucht, die existierenden Daten sind bestenfalls als uneindeutig zu bezeichnen. Eine Studie zum Einfluss von Tramadol auf die thermische und mechanische Schmerzwahrnehmung mit sechs Beagles nährt nun weitere Zweifel.

Keine ausreichende Metabolisierung bei den Studien-Beagles
In der verblindeten randomisierten Crossover-Studie wurde Tramadol als einmaliger Bolus i. v. mit 1 mg/kg oder 4 mg/kg verabreicht; außerdem gab es eine Placebo-Kontrolle. Der aktive Metabolit O-Desmethyltramadol wurde jeweils zu 16 Zeitpunkten nach der Injektion quantifiziert. Ergebnis: Die Metabolisierung und damit die Plasmakonzentration von O-Desmethyltramadol war bei den Beagles im Vergleich zu Literaturwerten sehr gering.

Schmerzwahrnehmung kaum beeinflusst
Die Schmerzwahrnehmung wurde mit standardisierten Schwellenwert-Messungen untersucht. Durch das Crossover-Design der Studie lieferte jeder Hund seine eigenen Kontrollwerte, was eine sehr stringente Analyse ermöglichte. Ergebnis: Die Tramadol-Injektionen ergaben überhaupt keine Beeinflussung der Wärmewahrnehmung und nur eine sehr verhaltene, kurzfristige Abschwächung der Empfindlichkeit gegen einen Druckreiz. Als Grund für die mangelnde Wirksamkeit diskutieren die Autorinnen die schlechte Metabolisierung und damit geringe Konzentration an aktivem Wirkstoff.

Fazit
Einige Empfehlungen für die Schmerztherapie bei Kleintieren erwähnen Tramadol als besonders geeignet bei geringgradigen Schmerzen. Die hier vorgestellte Studie – und auch andere publizierte Untersuchungen – lassen den Stoff aber bestenfalls als Wackelkandidat bei akuten nozizeptiven Schmerzen erscheinen. Wie gut, dass es für geringgradige Schmerzen mehrere verlässliche Alternativen gibt!
Christiane Fetzer

Originalpublikation:
Schütter AF, Tünsmeyer J, Kästner SBR (2017): Influence of tramadol on acute thermal and mechanical cutaneous nociception in dogs. Vet Anaesth Analg 44: 309–316. DOI 10.1016/j.vaa.2016.02.003.