Tierwohl | Schwein 02.07.2018

Unkupiert in Großbucht – kann das funktionieren?

Wenn das routinemäßige Kupieren von Schwänzen verboten wird, müssen alternative Haltungsformen etabliert werden. Unser frei zugänglicher Fallbericht fasst die Vor- und Nachteile einer strukturierten Großbucht zusammen.

 - 
Foto: Busley

Der Umbau fand in einem konventionellen Schweinemastbetrieb in Niedersachsen mit ca. 600 Mastplätzen statt. Die Kernidee hierbei war eine strukturierte Großbucht mit einem Tiefstreu-Liegebereich und einem Spaltenbereich mit Tränken, Futterautomaten und Beschäftigungsmaterial.

Es wurden folgende Baumaßnahmen durchgeführt:

  • Entfernung bisheriger Buchtentrennungen
  • Einbau von Betonspalten mit entsprechendem Gülleabfluss
  • Betonierte Rampe zwischen dem Tiefstreubereich und dem Spaltenboden, dahinter wurde der Güllekeller als Plateau angelegt, um die Entfernung von Stroh, Heu und Silage zu erleichtern
  • Einbau zusätzlicher Tränken im Spaltenbereich sowie zusätzlicher Futterautomaten im Eingangsbereich
  • zusätzliches Beschäftigungsmaterial, beispielsweise IKADAN Bite- Rites (Ikadan System A/S, Ikast, DK) für Mastschweine, Ketten mit Hölzern (unteres Ende der Kette baumelnd) und Raufutter
  • Strohbereich wird alle zwei bis drei Tage nachgestreut (vom Gang aus gut zugänglich), Angebot von Raufutter (Heu oder Silage), täglich frische Gabe
    im Strohbereich für Abwechslung und Sättigung

Hauptvorteile: Bucht in verschiedene Funktionsbereiche gegliedert, rangniedere Tiere können besser ausweichen, gute Beobachtung der Gruppe möglich, intergrierte Krankenbucht ermöglicht eine leichtere Separation erkrankter Schweine, im Beobachtungszeitraum trat nur bei wenigen Einzeltieren Schwanzbeißen auf.

Nachteile: relativ hoher Arbeitsaufwand (Misten, Erneuerung von Beschäftigungsmaterialien, Tierkontrolle), Mehrkosten für Stroh und Heu, Ausweichmöglichkeiten machen das Verladen der Tiere schwierig, innenliegende Krankenbucht stellte sich als zu klein heraus, vermutlich höherer Wasserverbrauch

Fazit des Landwirts: Der Tierhalter plant alle Maßnahmen weiter durchzuführen, solange es die entsprechenden Fördergelder gemäß der Richtlinie Tierwohl (Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz 2016) in Niedersachsen gibt. Ohne Richtlinie Tierwohl-Fördergelder würde sich der Landwirt für die Haltung von Schweinen mit kupierten Schwänzen gemäß Mindestanforderungen der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung (2006) entscheiden. Der Strohbereich und die zusätzlichen Beschäftigungsobjekte würden allerdings beibehalten, dafür müssten jedoch zusätzliche Abgitterungsmöglichkeiten zum Ausmisten nachgerüstet werden.

Den vollständigen Artikel "Umbau eines konventionellen Abteils zu einer strukturierten Großbucht zur Haltung von Mastschweinen mit nicht kupierten Schwänzen " von Diana Busley können Sie hier kostenfrei lesen. lp