Journal Club 02.12.2018

Unreinheit bei Katzen – ganzheitliche Betrachtung gefragt

Wenn die Katze im Haus Pfützen hinterlässt, fängt oft das Rätselraten an: Was hat sie bloß? Was kann ich tun? Eine Tierhalterumfrage belegt: Nur selten liegt ein einzelner „Auslöser“ vor.

Risikofaktoren: Wissenschaftlich nicht geklärt
Unreinheit (Periurie) bei Hauskatzen ist oft schwer in den Griff zu bekommen. Einerseits wurden zwar eine Reihe von Risikofaktoren postuliert, andererseits ist die Bedeutung einzelner Faktoren im konkreten Fall oft schwer beurteilbar. Außerdem ist die therapierelevante Unterscheidung zwischen Markieren und Urinieren nicht immer trivial. Eine Online-Umfrage bei Tierhaltern zeigt die Komplexität des Themas.

Probleme mit Markieren und Urinieren sind verbreitet
Von den 245 ausgewerteten Fragebögen berichteten etwa die Hälfte von unreinen Katzen, davon etwa ein Drittel mit „Markieren“ und zwei Drittel mit „Urinieren“. In diesen Gruppen wurde das Vorliegen von 41 potenziellen Risikofaktoren und 15 Differenzierungsmerkmalen für Markieren/Urinieren statistisch untersucht.

Ergebnisse
Die auffälligsten Risikofaktoren für Unreinheit waren

  • Alter (markierende Katzen waren älter als die anderen zwei Gruppen),
  • viele Katzen im Haushalt (mehr Markieren/Urinieren),
  • unbegrenzter Freigang und Katzenklappen (mehr Markieren),
  • Freigang allgemein (weniger Urinieren),
  • Kotabsatz außerhalb des Katzenklos (mehr Urinieren),
  • starke Abhängigkeit vom Tierhalter (weniger Urinieren) und
  • ein entspanntes Naturell der Katze (weniger Markieren).

Die Unterscheidung zwischen Markieren und Urinieren war mithilfe der Merkmale „Körperhaltung beim Harnabsatz“ und „Verscharren“ am besten möglich; die Wahl der Fläche (waagerecht/senkrecht) und die abgesetzte Harnmenge waren etwas weniger aussagekräftig.

Fazit
Das Vorliegen eines einzelnen Risikofaktors war in aller Regel kein verlässlicher Indikator für die Diagnose. Wichtiger erschien das soziale Umfeld der Katze insgesamt.
Dies beinhaltet ein Zusammenspiel aus der Zahl der Katzen im Haushalt, der Bindung der Katze an den Tierhalter und dem Naturell der Katze. Aber auch das Vorhandensein einer Katzenklappe kann erheblichen Einfluss auf das soziale Umfeld haben. Die physischen Bedingungen in der Umgebung spielten dagegen eine untergeordnete Rolle.
CHRISTIANE FETZER

Originalpublikation:
Barcelos AM, McPeake K, Affenzeller N, Mills DS (2018): Common Risk Factors for Urinary House Soiling (Periuria) in Cats and Its Differentiation: The Sensitivity and Specificity of Common Diagnostic Signs. Front Vet Sci 5: 108.
DOI 10.3389/fvets.2018.00108.