Der Praktische Tierarzt 01.05.2019

Untersuchungen zur Kastration männlicher Saugferkel unter Injektionsnarkose mit Azaperon und Ketamin

Investigations of the castration of male piglets being under anaesthesia with azaperone and ketamine

Zusammenfassung
Nach § 21 des Tierschutzgesetzes wird ab dem 01.01.2021 die betäubungslose Kastration von männlichen Saugferkeln verboten sein. Ziel der vorliegenden Arbeit war es, die Eignung der intramuskulären Narkose mit Azaperon und Ketamin bei Saugferkeln hinsichtlich einer ausreichenden Schmerzausschaltung anlässlich der Kastration zu untersuchen und bestimmte Parameter des postoperativen Verlaufs zu bewerten.

Hierfür wurden aus drei verschiedenen Ferkelerzeugerbetrieben (Betriebe A, B, C) die zu kastrierenden Ferkel in zwei Gruppen eingeteilt, welche später miteinander verglichen werden sollten: zum einen die unter Narkose zu kastrierenden Ferkel und zum anderen die ohne Betäubung zu kastrierenden Ferkel. Eine ausreichende Narkosetiefe lag vor, wenn die Ferkel eine deutlich herabgesetzte Körperspannung und keine Abwehrbewegungen zeigten. Anhand der Erhebung eines Lautäußerungs- und Bewegungsscores (modifiziert nach Hoppe 2011) wurde der Anteil der Ferkel (in %) in ausreichender Narkosetiefe zum Zeitpunkt der Kastration unter konventionellen Produktionsbedingungen ermittelt. Des Weiteren sollten mögliche Auswirkungen der Narkose auf Blutungen der Ferkel nach der Kastration, die Wundheilung, die Gewichtsentwicklung und die MMA- und Umrauscher-Rate bei den zugehörigen Muttersauen im Vergleich zur Gruppe der konventionell kastrierten Ferkel ermittelt werden. Außerdem wurden in einem zweiten Teil der Arbeit der zeitliche und der finanzielle Aufwand der Kastration unter Narkose erfasst und es fand eine subjektive Bewertung dieser Vorgehensweise durch die Landwirte statt.

Insgesamt konnten 131 Ferkel während der Kastration unter Narkose beobachtet und beurteilt werden. Hierbei zeigten nach den gewählten Kriterien 90,1 % der Tiere eine ausreichende Narkosetiefe. Durch die Kastration unter Narkose im Vergleich zur konventionellen Methode konnte keine Beeinflussung der Blutungsneigung der Ferkel, der Gewichtsentwicklung, der MMA- und Umrauscher-Rate sowie des Wundheilungsverlaufs festgestellt werden. Alle drei Landwirte beurteilten sowohl die Durchführbarkeit als auch die Arbeitsatmosphäre im Stall mit gut. Der durchschnittliche zeitliche Arbeitsaufwand lag bei 48 bzw. 56 Sekunden pro Ferkel. Unter Einbeziehung der tierärztlichen Leistungen sowie der Medikamente lagen die Kastrationskosten eines Ferkels zwischen 1,46 € und 1,66 €.

Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass die Injektionsnarkose mit Azaperon und Ketamin mit einer Rate von 90,1 % ausreichend narkotisierter Ferkel eine Erfolg versprechende Methode für die Nutzung in der konventionellen Landwirtschaft ist. Aufgrund des Zeitaufwands ist diese Methode der Kastration unter Injektionsnarkose eher für kleinere Abferkelgruppen geeignet bzw. sie erfordert ein gutes Zeitmanagement innerhalb des Betriebes und eine genaue Terminabsprache mit dem Tierarzt.

Schlüsselwörter
Ferkel, Kastration, Narkose, effektive Schmerzausschaltung, postoperativer Verlauf

Summary
In accordance with section 21 of the German Animal Protection Act, the castration of male piglets without anaesthesia shall be forbidden from 01.01.2021 onwards. The aim of this study was to assess the suitability of intramuscular anaesthesia with azaperone and ketamine in piglets with regard to adequate pain elimination and to evaluate certain postoperative parameters.

For this purpose, piglets from three different producers (farm A, B, C) were divided into two groups and were to be compared with each other: one group of piglets to be castrated with anaesthesia and the second group without anaesthesia. An adequate depth of anaesthesia was considered to be given if the piglets showed a significantly reduced body tension and no defensive movements. Based on the evaluation of vocal expression and movement scores (modified according to Hoppe 2011), the proportion (in %) of piglets in sufficient depth of anaesthesia at the time of castration under conventional production conditions was determined. Possible effects of anaesthesia on bleeding after the castration of the piglets, wound healing, growth and on MMA and return to oestrus rates, compared to conventionally castrated piglets, were also to be determined.

In addition, during a second round, the temporal and financial costs of the castration under anaesthesia were recorded, and a subjective evaluation of this approach was carried out by the farmers. A total of 131 piglets could be observed and assessed during castration under anaesthesia. 90.1 % of the animals showed an adequate depth of anaesthesia according to the chosen criteria. Castration under anaesthesia compared to the conventional method did not show any influence on the bleeding tendency, growth, MMA and repeat breeding rates, nor on the wound-healing process. All three farmers rated both the feasibility as well as the working atmosphere in the pigsty with “good”. The average time effort was 48 or 56 secondsper piglet. Taking veterinary services and medications into account, the cost of a piglet castration was between € 1.46 and € 1.66.

In summary it can be noted that the injection anaesthesia with azaperone and ketamine, with a 90.1 % rate of sufficient anaesthesia in the piglets, represents a promising method for commercial use. Due to the time requirement of castration under injection anaesthesia, this method is more suitable for smaller piglet groups, otherwise good time-management skills within the farm and with the veterinarian are required.

Keywords
piglet, castration, anaesthesia, adequate pain elimination, postoperative parameters

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