SARS-CoV-2 09.04.2020

Update: Katzen und das Coronavirus

Zwei Katzen in New York State wurden positiv auf SARS-Co-2 getestet. Vermutlich können Katzen sich leichter als Hunde infizieren. Doch das ist kein Grund, Tiere abzugeben oder einzuschläfern!

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Foto: Anatolii - Fotolia.com

Aktualisiert am 23. April 2020

Das Wichtigste zuerst: Es gibt keine Hinweise darauf, dass Katzen Menschen mit SARS-CoV-2 anstecken könnten. Das Infektionsrisiko für Haustiere ist vermutlich sehr gering. Es gibt keinen Grund, Katzen auszusetzen oder im Tierheim abzugeben!

Katzen können sich mit SARS-CoV-2 infizieren

In New York State fiel bei zwei Katzen aus unterschiedlichen Haushalten ein Corona-Test positiv aus. Beide Tiere zeigten leichte respiratorische Symptome. Nur eine der Katzen stammte aus einem Haushalt mit positiv getesteten Besitzern. Eine zweite Katze aus dem selben Haushalt zeigte keine Krankheitsanzeichen. Die andere positiv getestete Katze hat keine an COVID-19 erkrankten Besitzer. Die American Veterinary Medical Association vermutet, dass sie sich entweder bei asymptomatischen , aber infizierten Mitgliedern des Haushalts oder bei Freigang infiziert hat.

In Hongkong wurde SARS-CoV2-RNA bei zwei Hunden und einer Katze nachgewiesen. Die Tiere stammten alle aus Haushalten mit infizierten Personen und zeigten selbst keine Symptome. Ende März wurde auch aus Belgien von einer positiv getesteten Katze berichtet. Diese Katze hatte vorübergehend Atemnot, Durchfall und Erbrechen. Ob das Virus die klinischen Symptome verursacht hat, ist allerdings nicht belegt. Insgesamt ist die Datenlage in diesem Fall eher unklar.

Katzen können eventuell auch andere Katzen mit SARS-CoV-2 anstecken

Anfang April machte eine Studie des Harbin Veterinary Institus in China Schlagzeilen: Die Forscher infizierten im Labor Hunde und Katzen mit hohen Dosen des Virus. Während Hunde sich als recht resistent erwiesen, infizierte sich eine von drei Katzen mit SARS-CoV-2. Auch eine Übertragung von Katze zu Katze wurde nachgewiesen. Klinische Symptome zeigten die Tiere nicht. Die Studie ist bisher nur als preprint verfügbar, wurde also noch nicht von Kollegen begutachtet und zur Veröffentlichung angenommen. Zudem lassen sich die Ergebnisse aus dem Labor mit sehr hoher Erregerlast und Käfighaltung sicherlich nicht komplett auf natürliche Bedingungen übertragen.

COVID-19 bei Tigern und Löwen

Ganz aktuell wurde der Fall einer SARS-CoV-2-positiv getesteten Großkatze bekannt. In New York war Tigerweibchen Nadia getestet worden, nachdem bei ihr sowie drei weiteren Tigern und drei Löwen trockener Husten, Atembeschwerden und Appetitlosigkeit aufgefallen war. Die Großkatzen könnten sich bei einem Tierpfleger angesteckt haben, der positiv getestet, aber symptomfrei war.

Keine Gefahr: Haustiere infizieren sich vermutlich nur sehr selten mit SARS-CoV-2

Die FECAVA fasst hier bisher bekannte Studien zusammen und kommt zu dem Schluss, dass das Infektionsrisiko vermutlich selbst für Tiere aus Haushalten mit Corona-positiven Menschen sehr gering ist: In Hongkong testete das Agriculture, Fisheries and Conservation Department insgesamt 17 Hunde und 8 Katzen aus Corona-positiven Haushalten, nur 2 Hunde waren positiv. Zwei private Labore testeten nach Angaben der AVMA in Südkorea, den Vereinigten Staaten, Kanada und Europa bis zum 17. April Tausende von Haustieren unterschiedlicher Spezies: Kein einziges war positiv. Hier ist allerdings unbekannt, wie viele Tiere Corona-positive Besitzer hatten.

Die Pandemie ist das Resultat einer Verbreitung von Mensch zu Mensch

Bisher gibt es keinerlei Hinweise darauf, dass Katzen oder andere Tiere genug Coronavirus sekretieren, um für Menschen infektiös zu sein.

Tiere können genauso wie Gegenstände mit dem Virus kontaminiert sein, deshalb ist gründliches Händewaschen nach dem Kontakt natürlich sinnvoll. Aus demselben Grund sollten Katzen aus Quarantäne-Haushalten möglichst keinen Freigang erhalten, schreibt das Friedrich-Löffler-Institut in seinen FAQ zu Haustieren und Corona. Weiter heißt es ausdrücklich: „Es besteht kein Grund dafür, Haustiere vorsorglich in Tierheimen abzugeben. Sollte ein Haustier positiv auf SARS-CoV-2 getestet werden, besteht außerdem kein Anlass, das Tier einzuschläfern.“

Besitzer, die an COVID-19 erkrankt sind, sollten ihre Haustiere möglichst von einer anderen Person versorgen lassen und den Kontakt möglichst vermeiden.

Corona-Test für Katzen und Hunde

Inzwischen gibt es verschiedene Anbieter für Corona-Tests bei Haustieren. Das Institut für Virologie der FU Berlin bietet hier Nachweise für SARS-CoV-2 bei Hunden und Katzen an. Die Erregernachweise am Institut der Freien Universität Berlin werden über PCR-Verfahren vorgenommen, die auf denen beim Menschen beruhen. Auf Wunsch wird auch eine Virusanzucht in Zellkultur durchgeführt; dies hätte den Vorteil für die Tierbesitzerinnen und –besitzer, dass eine exaktere Charakterisierung des Virus möglich ist. Bevorzugtes Probenmaterial für die Untersuchung sind trockene Rachenabstriche beziehungsweise Tupfer in einem Virus-Transportmedium, das vom Institut zur Verfügung gestellt werden kann. (VM)