Journal Club 10.02.2019

Urolithiasis beim Chinchilla durch Verkalkung einer Spermienmatrix

Ein aktueller Fallbericht beschreibt eine Urolithiasis mit folgender Hydronephrose aufgrund einer Verkalkung von Spermienmatrizes bei einem männlichen Chinchilla.

Der Fall: Harnsteine beim männlichen Chinchilla
Bei einem zehn Monate alten, männlichen, unkastrierten Chinchilla konnten die Autoren in Röntgenbildern eine Verkalkung innerhalb der Harnblase und eine weichteildichte Masse im Abdomen feststellen. Mittels Ultraschall konnte ein Harnblasenstein innerhalb der Blase bestätigt werden.
Bei der weichteildichten Verschattung handelte es sich um einen bis auf 7 mm sehr stark erweiterten rechten Ureter. Weiterhin bestand rechtsseitig eine Hydronephrose. Die Autoren entfernten daraufhin die rechte Niere und den rechten Ureter. Außerdem wurde der Harnblasenstein operativ beseitigt. Der Stein bestand aus Kalziumkarbonat. Histopathologisch konnten Spermien im Nierenbecken der entfernten Niere festgestellt werden. Des Weiteren lag eine Pyelonephritis vor.

Rezidivierende Urolithiasis
Drei Monate später wurde das Chinchilla erneut aufgrund schmerzhaften Urinabsatzes vorgestellt. Dieses Mal waren Harnsteine sowohl in der Blase als auch in der Harnröhre sichtbar. Sonografisch lag nun auch links eine Hydronephrose vor. Außerdem waren freie Flüssigkeit im Abdomen und Mineralisierungen im linken Ureter darstellbar. Zu diesem Zeitpunkt entschieden sich die Patientenbesitzer zur Euthanasie. Die Harnsteine wurden während einer Sektion entnommen und histopathologisch untersucht. Dabei konnten degenerierte Spermien innerhalb einer verkalkten Matrix gefunden werden.

Harnsteine histologisch untersuchen
Eine retrograde Ejakulation kommt bei zahlreichen Tierarten vor und kann verschiedenste Ursachen haben, unter anderem eine Verlegung der Urethra oder neurologische Ausfälle. Außerdem gerinnt bei vielen Kleinsäugern nach der Ejakulation das proteinreiche Sekret der akzessorischen Drüsen und bildet einen Pfropf. Die Autoren vermuten, dass bei dem beschriebenen Chinchilla nach einer retrograden Ejakulation der Pfropf in der Harnblase als Kristallisationskeim fungierte. Nach Ansicht der Autoren sollte daher bei männlichen unkastrierten Chinchillas eher eine Histologie eines Harnblasensteins als eine Steinanalyse erfolgen. Außerdem solle bei Urolithiasis bei männlichen Tieren eine Kastration erwogen werden.
MAXIMILIAN REUSCHEL

Originalpublikation:
Higbie CT, DiGeronimo PM, Bennet RA, Wakamatsu N, Baumruck RA, Stewart MA, Rademacher N, Nevarez JG, Magee AN, Langohr IM (2019): Semen-Matrix Calculi in a juvenile Chinchilla (Chinchilla lanigera). J Exot Pet Med 28: 69–75.
DOI 10.1053/j.jepm.2018.01.002.