Journal Club 01.10.2009

Venöse Luftembolie nach Katheterisierung der Jugularvene

Infusionstherapie: Eine Luftembolie verursacht schwerwiegende, aber meist nach einigen Tagen vollständig reversible, neurologische und kardiovaskuläre Symptome. Die hyperbare Sauerstofftherapie ist hier die Behandlung der ersten Wahl.

Der Eintritt von Gasen in Blutgefäße wird als Luftembolie bezeichnet. Ursache sind häufig offene, bzw. nicht optimal intravasal liegende Venenkatheter. Kleine Mengen an eintretenden Gasen verursachen meist gar keine Symptome. Große Volumina hingegen können zu neurologischen Defiziten, Blindheit, kardiovaskulärem Kollaps und zum Tod führen. Aufgrund des gegenüber der Atmosphäre negativen Drucks der Venen sind diese häufig die Eintrittspforte für die Gase. Durch großlumige Venenkatheter und die Halslänge der Pferde entsteht beim Anheben des Kopfes ein Druckgradient von der Jugularvene zum rechten Atrium, so dass dort schnell Luft aspiriert werden kann.

An der Universität in Georgia wurden drei Fälle beobachtet, bei denen aufgrund der vorliegenden Symptome von einer Luftembolie ausgegangen wird. Es handelte sich um drei Wallache verschiedener Rassen und unterschiedlichen Alters. Sie wurden wegen einer Fraktur der Mandibularsymphyse, einer Magenüberladung und einer ventralen Abdominalhernie vorgestellt. Bei allen drei Probanden war der Venenkatheter entweder nicht verschlossen oder die Verbindung zur Infusion unterbrochen. Es traten Tachykardie mit einem trommelartigen Herzgeräusch, Tachypnoe, Muskelfaszikulationen, Ataxien, Zusammenbrüche, horizontaler und vertikaler Nystagmus und Blindheit auf. Weiterhin gab es Verhaltensauffälligkeiten, wie massiven Juckreiz, Angst sowie Beißen und Treten in Richtung Flanke als zusätzliche Symptome. Alle diese Anzeichen bildeten sich in einem Zeitraum von zwei Wochen zurück. Eines der Pferde blieb jedoch auf dem rechten Auge blind.

Durch ein großes aspiriertes Luftvolumen wird die Auswurfmenge des rechten Herzens so blockiert, dass es nachwirkend zur Hypotension und zum Kollaps kommt. In der Lunge folgt dann die Freisetzung von Endothelin 1, das eine Vasokonstriktion bewirkt. Die Permeabilität des Endothels erhöht sich und es entstehen Lungenödeme. Kleine Emboli im Muskel oder den Eingeweiden bleiben meist ohne Folge, im Herz- oder Hirnbereich kann dies jedoch lebensbedrohlich sein. Durch Luftblasen in den Zerebralgefäßen kann die Gerinnungskaskade ausgelöst werden, die Gefäße sind verstopft und über eine Ischämie des betroffenen Gebietes werden Zerebralödeme möglich. Pferde tolerieren bis zu 0,25 ml aspirierte Luft pro kg KGW ohne klinische Symptome. Nachgewiesen werden kann die Luftembolie lediglich durch Echokardiografie oder Dopplertechnologien. Die hyperbare Sauerstofftherapie stellt die Behandlung der ersten Wahl dar. Ferner ist die Gabe von Flüssigkeiten (NaCl), insbesondere auch von Mannitol zur Aufhebung der starken Hämokonzentration und der Hirnödeme angezeigt. Lediglich von Glukose wird abgeraten, da eine Hyperglykämie befürchtet wird. Gegen die neurologischen Symptome wird Diazepam und Phenobarbital eingesetzt. Letzteres hat eine protektive Wirkung auf das Gehirn, da es den Sauerstoffverbrauch und die Katecholaminfreisetzung reduziert.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass größere Mengen an durch die Jugularvenen aspirierter Luft zu einem Kreislaufzusammenbruch führen können. Die Symptome sind jedoch bei frühzeitigem Eingreifen und schneller hyperbarer Sauerstofftherapie größtenteils reversibel.

(Quelle: A. Pellegrini-Masini et al. (2009): Suspected venous air embolism in three horses. Equine vet. Educ. 21 (2) 79–84. Caporelli F. et al. (2009): Suspected venous air embolism in a Finnhorse. Equine vet. Educ. 21 (2) 85–88.)

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