Katze | Fallbericht 23.08.2019

Verbunden mit dem Mesovar

Bei Katzen gibt es nur wenige Beschreibungen zu kutanen Dermoidzysten. Wir haben einen interessanten Fall und erläutern das nötige Vorgehen.

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Foto: Tierarztpraxis in Borgsdorf

Dermoidzysten an sich sind ja schon merkwürdige Gebilde. Als Anhänge an Stellen, wo sie physiologischer Weise nicht zu erwarten sind, das Lumen ausgefüllt mit Zelldetritus, Drüsensekreten, Keratin und Haaren. Die Beschreibungen über das Vorkommen bei Katzen sind rar und ihr Vorkommen an der dorsalen Mittellinie des Körpers erinnert zum Teil den Beschreibungen von Rhodesian Ridgebacks, wo sie meist im Bereich des rassetypischen Haarkamms auftreten. Weitere beschriebene Lokalisationen bei der Katze sind die Augen und der Schwanz.

Der Fall
In einem neuen außergewöhnlichen Fal, der in der aktuellen Ausgabe der Kleintierpraxis veröffentlicht wurde, trat die Dermoidzyste nun am linken Rippenbogen auf. Die Patientin, eine zugelaufene Langhaarkatze, war die Palpation des derben Strangs unangenehm. Intra operationem zeigte sich, dass die bandartige Struktur abdomial in die Tiefe zog, wo sie das Peritoneum durchdrang und ins Mesovarium inserierte. Sie enthielt eine Ansammlung von Haaren. Die Autoren schätzen, dass es sich dabei um eine embryonale Fehlentwicklung handelt und dass sich das Zystenvolumen erst nach und nach mit adnexalen Produkten gefüllt hat, wodurch der Strang lange Zeit unbemerkt blieb. Unklar bleibt, ob es sich um eine hereditäre oder eine zufällige Fehlentwicklung handelt.

Diagnostisches Vorgehen
Die klinische Verdachtsdiagnose eines Dermoidsinus oder einer Dermoidzyste wird mittels Computertomografie (CT), Magnetresonanztomografie (MRT) oder Fistulogramm bestätigt. Insbesondere bei Dermoidsinus, die mit dem zentralen Nervensystem assoziierten sind, ist die präoperative Bestimmung der Tiefe mittels bildgebender Verfahren unverzichtbar. Hupfeld und Laube (2008) raten von der Röntgenkontrastdarstellung mittels Fistulografie ab: Erstens besteht die Gefahr, dass Kontrastmittel bei sehr tief reichenden Sinus ins Rückenmark eindringt und zweitens ist das Lumen mit Talg, Haaren und Sekreten angefüllt, was die homogene Verteilung des Kontrastmittels beeinträchtigt. Bindegewebige Ausläufer ohne Lumen (wie in unserem Fall) können mittels Fistulografie nicht erkannt werden. CT und MRT ermöglichen eine sehr detailgenaue Darstellung. Sie sind dadurch als Goldstandard bei der präoperativen Diagnostik tiefer Dermoidsinus anzusehen, aber vergleichsweise teuer. Bei Kostenrestriktion kann auch die Sonografie hilfreiche Hinweise bieten.

Folgen von Dermoidzysten
Mögliche sekundäre Veränderungen von Dermoidzysten sind je nach Lokalisation Irritationen der Umgebung, wie beispielsweise Hornhautulzera bei okularen Dermoiden, oder das Auftreten von Infektionen, die je nach Sinustiefe und Lokalisation schwere Folgen haben können. Bei tief reichenden und an der Wirbelsäule gelegenen Dermoidsinus kann eine Infektion zu schweren neurologischen Ausfallerscheinungen führen. Die frühzeitige chirurgische Entfernung ist Mittel der Wahl, um das Risiko von Infektion, Abszedierung, Zystenruptur und bei spinaler Lokalisation auch das Risiko einer Meningitis zu reduzieren (Tong und Simpson 2009).

Abonnenten der Kleintierpraxis können alle Details des interessanten Falls "Feline kutane Dermoidzyste mit Verbindung zum Mesovarium" von Tanja Nöske in der aktuellen Ausgabe der Kleintierpraxis lesen.