Journal Club 02.11.2009

Vergleich von Phenylbutazon und Traumeel nach Kastration von Hengsten

Homöopathie: Das NSAID Phenylbutazon und das homöopathische Mischpäparat Traumeel sind beide zur postoperativen Behandlung nach Kastrationen geeignet. Im direkten Vergleich zeigt Phenylbutazon die bessere Wirksamkeit.

Die Vorzüge und die Wichtigkeit einer die Kastration begleitenden analgetischen und antiphlogistischen Behandlung, unabhängig von Rasse und Alter des Hengstes, sind unbestritten. Bei der Wahl des geeigneten Medikamentes scheiden sich jedoch die Geister zwischen Schulmedizinern und homöopathisch orientierten Tierärzten und Tierbesitzern. In den Jahren 2004 bis 2006 wurde an der Klinik für Pferde der Ludwig Maximilians Universität München an 45 Hengsten eine randomisierte Studie zum Vergleich des nicht-steroidalen Antiphlogistikums (NSAID) Phenylbutazon mit dem homöopathischen Mischpräparat Traumeel durchgeführt. Ziel der Arbeit war es, die Wirksamkeit der Therapie zu bewerten und eventuelle Unterschiede hinsichtlich der Wirksamkeit der beiden Präparate im Rahmen einer Kastration herauszufinden und darzustellen. Die Patienten waren Hengste im Alter zwischen ein und 18 Jahren, deren Hoden beide vollständig abgestiegen waren. Die Kastration erfolgte unter Klinikbedingungen in Vollnarkose mit Skrotumteilresektion und primärem Wundverschluss. Es wurden die Präparate Hippopalazon ® der Firma aristavet und Traumeel® der Firma Heel verwendet. Die Tiere wurden nach einem zufälligen System in drei Gruppen mit je 15 Kastranden eingeteilt. Die erste Gruppe erhielt am Tag der Kastration und an den zwei darauf folgenden Tagen 4 mg/kg Phenylbutazon p. o. Die zweite Gruppe erhielt kurz vor der Operation und am Tag nach der Operation je nach Körpergewicht 5 oder 10 ml Traumeel i. m. Die dritte Gruppe war die Kontrollgruppe und erhielt kein Medikament. Alle Pferde wurden jeweils vor der Kastration, sechs Stunden danach und dann einmal täglich bis zum sechsten Tag post OP nach einem festen Protokoll untersucht. Dabei wurden die postoperative Wundschwellung, die rektal gemessene Körpertemperatur und die Hauttemperatur des Präputial- und Skrotalbereiches gemessen. Außerdem wurde der Wundbereich bei jeder Untersuchung fotografiert. Neben den einzelnen Parametern wurde jeweils auch ein Gesamtscore ermittelt. Die Phenylbutazongruppe lag mit allen genannten Parametern niedriger als die Traumeelgruppe und als die Kontrollgruppe, was einen besseren Behandlungserfolg bedeutet. Die Pferde, denen Traumeel gegeben wurde, zeigten in Bezug auf den Grad der Schwellung und den Gesamt- Score ein deutlich niedrigeres Ergebnis als die Tiere der Kontrollgruppe und in Bezug auf die Körper- und Hauttemperatur einen geringen Unterschied zur Kontrollgruppe.

Es konnte also festgestellt werden, dass beide Medikamente eine Wirkung zeigen, wobei Phenylbutazon einen deutlicheren Behandlungserfolg aufweist als Traumeel. Es bleibt also dem Tierarzt überlassen ob er homöopathische oder schulmedizinische Arzneimittel verwenden möchte. Da Traumeel in dieser Studie einen positiven Effekt auf die Wundschwellung und auf die Hauttemperatur hat, erscheint es für diejenigen geeignet, die den Weg biologischer Heilmethoden gehen.

(Quelle: E. Maaßen und H. Gerhards (2009): Kastration beim Hengst: Behandlungsvergleich zwischen Phenylbutazon, Traumeel und einer Kontrollgruppe. Pferdeheilkunde 25 (5) S. 451–460.)

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