Reproduktion | Hündin 29.11.2017

Was tun bei der Junghundvaginitis?

Vaginaler Ausfluss ist bei Hündinnen nicht selten schon vor der ersten Läufigkeit zu beobachten. Eine Antibiotikatherapie bringt häufig keine Veränderung.

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Der Fall: Den neuen Besitzern einer Berner Sennenhündin fiel auf, dass die fünf Monate alte Hündin viel an den Schamlippen leckte. Die behandelnde Tierärztin stellte einen schleimig-eitrigen Ausfluss und eine Schwellung der Vulva fest. Unter Antibiose – zunächst mit Cefalexin, dann mit Amoxicillin-Clavulansäure – verbesserte sich das klinische Bild nur kurzfristig. Nach etwa einer Woche trat der Ausfluss noch während der antibiotischen Behandlung jeweils wieder auf. Das Allgemein­befinden blieb die gesamte Zeit über ungestört, die Vaginalschleimhaut wies Normbefunde auf.

Das Immunsystem muss noch reifen
Im geschilderten Fall vermutet die Expertin für Reproduktionsmedizin, Anne-Rose Günzel-Apel, eine sogenannte Junghundvaginitis. Bakterielle Entzündungen der Scheide können bei Hündinnen bereits vor der ersten Läufigkeit auftreten. Die Verursacher sind opportunistische Bakterien wie Streptokokken, Staphylokokken oder Escherichia coli, also Bestandteile der physiologischen Scheidenflora. Bei noch nicht ausgereiftem Immunsystem oder im Falle einer Abwehrschwäche können sie mit eitrigem Scheidenausfluss einhergehende Infektionen auslösen. Bei geringgradigen Symptomen ist die Notwendigkeit einer Therapie sorgfältig abzuwägen. Mit der ersten Läufigkeit kommt es in vielen Fällen allein aufgrund der Aktivierung des Genitaltraktes inklusive der Vaginal- und Vestibulumschleimhaut zum Verschwinden der klinischen Symptomatik. Daher sollte eine Hündin mit juveniler Vaginitis keinesfalls vor der ersten Läufigkeit kastriert werden.

Abwehr stärken und Schleimhaut schonen
Unabhängig von der Ausprägung des Vaginalausflusses erfordert der Einsatz eines Antibiotikums die mikrobiologische Bestimmung des bakteriellen Keimgehaltes, um eine gezielte Therapie nach Antibiogramm durchführen zu können. Die Therapiedauer sollte zehn Tage nicht unterschreiten. Bleibt der Vaginalausfluss dennoch bestehen oder kommt es, wie im beschriebenen Fall, zum Rezidiv, sollte auf weitere Antibiotikagaben verzichtet werden. Günzel-Apel rät, stattdessen die Abwehrkräfte der Hündin zu stärken, zum Beispiel mittels des Immunmodulators Zylexis® (Zoetis Deutschland GmbH). Daneben können milde Vaginalspülungen versucht werden. Dazu wird körperwarme, sterile, isotone Kochsalzlösung oder eine milde, desinfizierende Lösung wie Polyvinylpyrrolidon-Jod oder Kamille über einen flexiblen Spülkatheter in die Vagina eingebracht. Nach einer mehrminütigen Einwirkzeit wird die Lösung vorsichtig herausmassiert. Diese Therapie kann gegebenenfalls im Abstand von zwei bis drei Tagen wiederholt werden. „ Verwenden Sie keine Chlorhexidinlösung“, empfiehlt Günzel-Apel. Diese kann selbst in geringen Konzentrationen von 0,1–0,2 Prozent die zarte Vaginalmukosa einer jungen Hündin reizen. Bringen auch die Spülungen keine dauerhafte Besserung, muss die erste Läufigkeit abgewartet werden.

Bei der Vaginitis einer geschlechtsreifen Hündin sind Scheidenspülungen wenig Erfolg versprechend. Hier stellt der systemische Einsatz eines Antibiotikums nach Keimnachweis gemäß Antibiogramm meist die effizienteste Therapie dar. vm

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