Welpensterben | Überwachung 27.10.2017

Weniger tote Neonaten: Monitoring und Tests

Viele Welpen versterben in den ersten drei Lebenswochen. Welche Kontrollparameter weisen auf einen besonders kritischen Gesundheitsstatus hin? Ein Check-up.

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Die Mortalitätsrate neugeborener Welpen ist hoch – laut Schätzungen sterben 20 Prozent aller Neonaten in der ersten sechs bis acht Lebenswochen. Vor allem die ersten 21 Tage nach der Geburt sind kritisch, wenn sich die Neugeborenen an das extrauterine Leben adaptieren müssen. Dabei kommt es zum Beispiel zu einer perinatalen Hypoxie und einem Abfall der kontinuierlichen Glukosezufuhr über die Plazenta.

Die in der Muttermilch enthaltene Glukose stellt zu diesem Zeitpunkt die einzige Energiequelle für die Neonaten dar – eine ausreichende Kolostrumaufnahme ist demnach für ihr Überleben sehr wichtig.
Obwohl für Hunde ein aus der Humanmedizin angepasstes Apgar-Scoring-Sytem existiert sowie die umbilikale Laktatkonzentration zum Zeitpunkt der Geburt gemessen wird, sind Kontrollparameter bisher nicht evaluiert. Ebenso unterscheiden sich die in der Literatur aufgeführten Referenzwerte für die Soll-Glukosekonzentration neugeborener Welpen, obwohl eine Hypoglykämie eine der häufigsten Ursachen für neonatale Todesfälle ist.
Welche Kontrollparameter können Tierärzten helfen, die Vitalität eines Welpen einzuschätzen? Und welche Tests können genutzt werden, um Welpen herauszufiltern, die stärker medizinisch überwacht werden müssen?

In einer aktuellen Studie wurden 347 reinrassige Welpen von 66 Hündinnen nach dem Apgar-core beurteilt. Ebenso wurden Gewicht, Blutglukose, Laktat, beta-Hydroxybutyrat, die rektale Temperatur sowie das spezifische Harngewicht bestimmt.

Laut Studiendaten sind die durch den Apgar-Score ermittelbare Vitalität und die Energieaufnahme in den ersten 24 Stunden eines Hundewelpen (messbar durch die Blutglukose) am stärksten mit dem Sterberisiko eines Welpen assoziiert. Ein Apgar-Score unter 6 und Blutglukosewerte <92 mg/dl waren mit einem erhöhten Mortalitätsrisiko in den ersten drei Lebenswochen assoziiert. Beim gesunden Welpen sollte es in den ersten 24 Lebensstunden zu einem Anstieg der Glukose auf Werte über 100 mg/dl kommen. Welpen mit Blutzuckerwerten von <40 mg/dl leiden unter einer kritischen Hypoglykämie, die zu neurologischen Symptomen, einem Abfall der Körpertemperatur sowie niedrigen Herz- und Atemfrequenzen führen kann. Ihre Abhängigkeit von dem Energieträger kann dadurch erklärt werden, dass Welpen noch wenig Fettgewebe sowie eine eingeschränkte Leberfunktionskapazität besitzen und aufgrund der großen Körperoberfläche und fehlenden Fähigkeit zur Zitterthermogenese viel Energie benötigen.
Wünschenswert wäre ein leicht anwendbarer und kostengünstiger Test zur Überprüfung der Blutglukose von Risikowelpen (z. B. solchen mit niedrigem Geburtsgewicht), welcher mit einem Maßnahmenpaket in Form eines einfach zuführbaren Energiesupplements kombiniert werden könnte. Weitere Studien sind notwendig, um den hier deutlichen Zusammenhang zwischen niedrigen Glukosewerten und einer schlechten Überlebensrate näher zu untersuchen. Lisa-Marie Petersen