Fütterung | Rationsberechnung 15.11.2017

Wenn BARF lahm macht

Ist die hypertrophe Osteodystrophie ein häufiges Problem gebarfter Hunde?

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Ein klassischer Fall kommt auf dem DVG Kongress in Berlin zur Sprache: Ein fünf Monate alter Neufundländerwelpe wird aufgrund von Lethargie, Lahmheit und Schmerzen in der Praxis vorgestellt. Bei der Anamnese kommt heraus, dass die Besitzer barfen - auf Anraten des Züchters. Leider haben die Halter das aufgebrauchte Minealfutter nicht nachbestellt und füttert nur noch Fleisch und Gemüse. Ein Röntgenbild bestätigt den Verdacht: Der heranwachsende Riese leidet unter hypertropher Osteodystrophie (HOD).

Dabei handelt es sich um eine Erkrankung der Wachstumsfugen junger, schnell wachsender Hunde wie Doggen, ChesapeakeBay Retrievern, Irish Settern, Boxern, Deutschen Schäferhunden, Golden und Labrador Retrievern und Weimaranern. Betroffene Tiere haben vermehrt warme, angeschwollene und schmerzhafte (Vorder)-Gliedmaßen. Ebenso werden immer wieder Haut- und Augenprobleme, aber auch Durchfall beschrieben. Im Bereich des Skeletts sind häufig der distale Radius sowie  Ulna und Tibia betroffen.

Wie schmerzhaft die Erkrankung sein kann, zeigen Wortmeldungen aus dem Publikum. „Ich musste schon Tiere euthanasieren“, meldet ein Tierarzt. Obwohl die letztliche Genese für HOD nicht bekannt ist, werden neben erblichen Komponenten, Infektionen und Impfungen auch eine falsche, zu energiereiche Fütterung (ggf. mit Futterzusätzen), eine Störung des Mineralstoffhaushalt und eine Überbeanspruchung des Skeletts diskutiert.

Insbesondere die Mineralstoffversorgung ist bei gebarften Welpen ein Knackpunkt, weiß Professor Jürgen Zentek. Häufig werden die Tiere zudem zu energiereich ernährt. Selbst zusammengestellten Rationen müssen aus diesem Grund immer von einem Experten beurteilt wurden. Stimmt der Calciumgehalt? In den ersten sechs Lebensmonaten ist von einem Bedarf von 2-2.5 g/kg auszugehen. Hunde mit HOD brauchen Ruhe und Schmerzmittel. Die Gabe von Infusionen, Cortison und Antibiotika muss abgewägt werden. Hier können Tierbesitzer den Calciumgehalt eines Futtermittels bestimmen.

Hunde, die sich nicht gerne bewegen, haben häufig Schmerzen und müssen behandelt werden. Empfehlen Sie hierfür unsere kostenfreie Broschüre zehn Fragen & Antworten "Schmerzfrei unterwegs: Bewegungsfreude" an Ihre Patientenbesitzer weiter. Gerne können Sie unseren vergriffenen BARF-Ratgeber als Onlinemagazin auf Ihrer Website einbinden. Bei Interesse schicken Sie uns einfach eine E-Mail an: redaktion@schluetersche.de.