Infektionskrankheit | Vakzination 15.04.2019

West Nil – Impfen?

West Nil ist letztes Jahr in Deutschland angekommen. Noch immer gibt es Unsicherheiten bei Tierärzten und Pferdebesitzern, ob und wann geimpft werden sollte.

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Foto: Henrik Larsson - Fotolia.com

Nachdem im September letzten Jahres erstmals Infektionen mit dem West-Nil-Virus (WNV) bei Pferden in Brandenburg und Sachsen-Anhalt diagnostiziert worden sind, hat die StIKo Vet eine Stellungnahme zur präventiven Impfung gegen die Erkrankung herausgegeben. Wir fassen Wesentliches daraus für Sie zusammen.

Eine Impfempfehlung sprach die StIKo Vet für Pferde aus, die in den bereits betroffenen Gebieten gehalten oder während der Mückensaison dorthin verbracht werden.

Diagnostik und Klinik
Nur während der relativ kurzen Virämiephase lässt sich das Virus im Serum nachweisen. Etwa acht Prozent der infizierten Pferde erkranken an der neuroinvasiven Form. Daran sterben später ein Drittel bis die Hälfte der betroffenen Pferde. Sind neurolgische Symptome vorhanden, wird eine Behandlung schwierig bis unmöglich. West-Nil-Fieber ist anzeigepflichtig.

Fakten zur Epidemiologie
Pferd und auch Mensch sind Fehlwirte. Dabei gibt es für uns noch immer keine Impfung, auch wir können schwere neurologische Schäden bei Erkrankung erleiden. Überträger des Virus sind Mücken – auch solche, die hier heimisch sind. Vögel sind Reservoirwirte. Spatzen, die zu jedem Pferdestall gehören, erkranken allerdings (anders als mancher Greifvogel und Krähen) selbst nicht. Eine Übertragung Pferd->Mücke->Pferd oder Pferd->Mücke-> Mensch gibt es nicht! Der Weg ist: Vogel->Mücke->Pferd.

Mückenprophylaxe betreiben: Brutnester durch länger stehendes Wasser in/an Ställen vermeiden; Repellenzien anwenden, Pferde vor der Dämmerung von der Weide holen. Das Virus überwintert mit und in den Mücken.

Je nachdem, wie sich die Seuche ausbreiten wird, sei mittelfristig eine flächendeckende Impfung aller Pferde in Deutschland anzustreben, so die StIKo Vet. Wie schnell sie sich ausbreiten wird, kann nicht eindeutig vorausgesagt werden. Als Tracey McNamara, Chefpathologin des Bronx Zoos in New York, 1999 die Todesfälle einiger Vögel weiter untersuchen ließ, stellten One-Health-Experten bald ein Zusammenhang mit den damals auftretenden tödlichen Enzephalitiden bei Senioren in der Stadt fest. In den USA breitete sich die Seuche explosionsartig bis an die Westküste aus, mit starker Häufung in den ersten Jahren. In Südosteuropa ist WNV dagegen seit langem endemisch. ( kl)

Impfschema- Rechenbeispiel
Zu Beginn der Mückenperiode Ende Mai sollte die Grundimmunisierung abgeschlossen sein. Je nach Impfstoff gilt dabei:

  • Erstimpfung ab 5. bzw. 6. Lebensmonat möglich
  • Boosterimpfung frühestens 3 bzw. 4 Wochen später
  • Beginn der Immunität: 2-4 Wochen nach dem Boostern
  • Wiederholungsimpfung: 1 x jährlich

Das bedeutet, dass frühestens acht Wochen nach der ersten Impfung mit einem Schutz zu rechnen ist! Trotz Impfung können sich die Pferde zwar mit dem Virus infizieren, sie sind aber weitestgehend vor den klinischen Ausprägungen der Infektion geschützt. Informationen zu den in Deutschland zugelassenen Impfstoffen und die entsprechenden Schemata finden Sie ebenfalls in der Stellungnahme der StIKo Vet.