Angstfrei | Praxiskonzept 12.05.2020

Wie arbeiten "Fear-Free"-Tierarztpraxen?

Das Fear-Free-Konzept stammt aus den USA und soll ängstlichen Patienten den Praxisbesuch erleichtern. Wir haben vom Kleintierpraktiker Sven Botterweck erfahren, worauf es ankommt und fünf Tipps zusammengetragen.

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Foto: Kleintierpraxis Botterweck

  • Das Fear-Free Konzept stammt aus Amerika und bildet Online-Seminare zum Thema angstfreie Praxis an.
  • Tierärzte und TFAs können eine Zertifizierung erwerben.
  • Sven Botterweck nennt die Vorteile für Praxisinhaber: Effizientere Behandlungen, zufriedene Kunden, entspanntere Tiere, bessere Umsätze. Insgesamt sei das Konzept ein gutes Marketing-Tool.

Mit folgenden Tipps können Sie ängstlichen Patienten den Gang zum Doc erleichtern:

Tipp 1: Die Praxisgestaltung: Achten Sie auf...

... rutschfreie Böden
... eine ruhige Geräuschkulisse und angenehme Beleuchtung (LED)
... geruchsneutrale Desinfektionsmittel
... die Trennung von Hunden und Katzen
... Pheromonstecker

Tipp 2: Mit Terminen arbeiten
Eine Terminsprechstunde reduziert Wartezeiten, die den Stresslevel ängstlicher Patienten in der Regel nochmals erhöht. Trennen Sie wenn möglich Hunde und Katzen.

Tipp 3: Gehen Sie individuell auf den Patienten ein
Beachten Sie immer die individuelle Toleranzschwelle ihres Patienten und strapazieren Sie diese nicht über. Legen Sie den Besitzern ans Herz, einen Hundekumpel mitzubringen, bzw. lassen Sie den Besitzer das Tier halten. Notieren Sie in der Patientenkartei, welche Vorlieben der Patient hat.

Tipp 4: Nutzen Sie den Touch-Gradienten
Fassen Sie Ihre Patienten zunächst an Stellen an, die nicht schmerzhaft sind. Die Berührung von Kopf und Maul wird in der Regel als unangenehm empfunden. Erhöhen Sie den Berührungsdruck nur langsam und immer unter Beachtung der Reaktion des Tieres. Vermeiden Sie hastige schnelle Bewegungen und direkten Augenkontakt.

Tipp 5: Denken Sie über eine Prämedikation nach
Bei Patienten mit einer niedrigen Toleranzschwelle kann es sinnvoll sein, nach zwei vergeblichen Behandlungsversuchen abzubrechen und einen erneuten Termin zu vereinbaren. Dazwischen gilt es positive Erlebnisse zu schaffen. Ebenso ist über eine Prämedikation nachzudenken. Sven Botterweck hat gute Erfahrungen mit Gabapentin und Trazadon gemacht, das in Amerika häufig eingesetzt wird.

Weitere Informationen zur Zertifizierung und wie diese als Marketingtool genutzt werden kann, finden Sie hier und in der aktuellen Ausgabe von Der Praktische Tierarzt. Viele Tipps speziell für Katzen können Praktiker zudem in unserem Buch "Cattitude" von Angelika Drensler nachlesen.