Journal Club 18.01.2018

Wie sauer ist der Magen eigentlich bei einer CNE?

Die chronische Nierenerkrankung tritt bei älteren Katzen häufig auf. Typische Symptome im fortgeschrittenen Stadium sind Fressunlust und Erbrechen, was auf Urämie und Magenübersäuerung zurückgeführt wird. Studien zum pH-Wert im Magen gibt es aber bisher noch nicht.

Im fortgeschrittenen Stadium von Nierenerkrankungen findet man beim Menschen Erosionen oder Ulzerationen der Magenschleimhaut. Die Empfehlung lautet dann: Säurehemmer. Auch bei Katzen mit chronischer Nierenerkrankung (CNE) werden Säurehemmer wie Famotidin oder Omiprazol häufig eingesetzt. Allerdings konnte ein wirklicher Benefit für die Katze bisher noch nicht bewiesen werden. Hinzu kommt, dass man bei Katzen mit CNE weniger Magenulzerationen, sondern vorwiegend eine Mineralisierung der Magenwand, Atrophie der Magendrüse oder auch eine Hypergastrinämie beobachtet. Problematisch daran ist, dass die Langzeitgabe von Säurehemmern bei der Katze möglicherweise nicht ganz risikolos ist. So konnte in einer aktuellen Studie bei sechs Katzen als Folge des Einsatzes von Säurehemmern eine sinkende Knochenmineralisation und eine Serum-Hypergastrinämie beobachtet werden. Solche möglichen Folgeerscheinungen müssen besonders bei Katzen mit CNE mit Sorge betrachtet werden. Abgesehen davon, dass mit jeder zusätzlichen Medikamentengabe die Besitzer-Compliance bei solch vielversorgten Tieren stark beansprucht wird.

Säurehemmer, ja oder nein?
Bisher gibt es keine Studien, die die Anwendung von Säurehemmern bei der Katze mit CNE rechtfertigen konnten. In der vorliegenden Studie sollte daher untersucht werden, ob der pH-Wert im Magen von Katzen mit CNE tatsächlich niedriger ist als der von gesunden Katzen. Dafür konnten zehn Katzen mit CNE und neun gesunde Tiere gleichen Alters untersucht und miteinander verglichen werden. Zur Bestimmung des Gastrinwertes wurden Serumproben genommen. Der pH-Wert wurde bei allen Katzen kontinuierlich über einen Zeitraum von 12 Stunden beobachtet und aufgezeichnet.

Möglicherweise nicht gerechtfertigt
Überraschenderweise gab es zwischen den beiden Gruppen keinen signifikanten Unterschied. Weder bei der Serum- Gastrin-Konzentration (CNE-Katzen: 18,7 ng/dl; gesunde Katzen: 54,6 ng/dl; p = 0,713) noch beim pH-Wert des Magens (CNE-Katzen: 1,8 ± 0,5; gesunde Katzen: 1,6 ± 0,3; p = 0,23). Die pH-Werte im Magen von Katzen mit CNE waren nicht niedriger als bei gesunden Tieren gleichen Alters, was zumindest schon mal die Vermutung nahelegt, dass solche Katzen möglicherweise gar keine Säurehemmer benötigen.

Gerda Bäumer

Originalpublikation:
Tolbert MK, Olin S, MacLane S, Gould E, Steiner JM, Vaden S, Price J (2017): Evaluation of Gastric pH and Serum Gastrin Concentrations in Cats with Chronic Kidney Disease. J Vet Intern Med 31: 1414–1419.