COVID-19 | Labor 28.04.2020

Wie Tierärzte während der Pandemie helfen

"Hilfe durch Tierärzte“ sieht der zweite Teil des Anti-Corona-Gesetzpaketes vor, das im Mai verabschiedet werden soll. Es geht aber nicht um Mitarbeit am Patientenbett, sondern um eine Erweiterung der Kapazitäten für Corona-Tests.

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Foto: Mike Fouque - stock.adobe.com

Menschliche Proben in Veterinär-Laboren
Labore für Tierseuchendiagnostik haben in der Krise schon frühzeitig ihre Unterstützung angeboten. 70.000 zusätzliche Tests pro Woche wären in veterinärmedizinischen Laboren möglich, schrieb der Bundesverband Praktizierender Tierärzte (bpt) Ende März. Doch bevor die Tests anlaufen konnten, waren einige Hürden zu überwinden: Anders als z. B. in Frankreich ist hierzulande die Untersuchung menschlicher Proben in Tierlaboren zwar grundsätzlich erlaubt, doch es musste geklärt werden, auf welcher Grundlage mit den Krankenkassen abgerechnet werden kann. Auch hatte der Bundesverband Deutscher Laborärzte Bedenken angemeldet: „Es fehlt (...) das gesamte Know-how des Patientenmanagements und der damit verbundene Schutz der persönlichen Daten“, sagte Vorsitzender Andreas Bobrowski der Süddeutschen Zeitung.

Corona-Tests in tiermedizinischen Laboren
Anfang April konnten die Untersuchungen in Veterinärlaboren aber schließlich starten. Laboklin GmbH & Co. KG testet für die Landratsämter rund um Bad Kissingen auf SARS-CoV-2. Auch in der Veterinärmedizinischen Universität Wien laufen jetzt werktags 270 Corona-Untersuchungen. Landesuntersuchungsämter haben teilweise sogar die Tierseuchendiagnostik zurückgefahren, um mehr Kapazitäten für Corona-Tests zu gewinnen. Seit dem 1. April ist eine bisher vorgeschriebene Blutuntersuchung auf das Blauzungenvirus (BTV) nicht mehr nötig. Kälber in der Trächtigkeit gegen die Blauzungenkrankheit geimpfter Kühe dürfen jetzt ohne Tests aus der Restriktionszone innerhalb Deutschlands verbracht werden, wenn die Grundimmunisierung des Muttertieres spätestens 28 Tage vor der Geburt abgeschlossen war und das Kalb Biestmilch erhalten hat. Zuvor hatte Bayern das BTV-Monitoring von einem Tag auf den anderen eingestellt, um Corona-Tests durchführen zu können.

Ein Fischtierarzt testet auf Corona
Auf den Färöer Inseln waren Anfang April bereits zehn Prozent der Bevölkerung auf SARS-CoV-2 getestet worden, mehr als irgendwo sonst auf der Welt. Das haben die Inseln Fischtierarzt Debes Christiansen zu verdanken, wie The Guardian berichtete. Christiansen hatte bereits im Januar Alarm geschlagen und sein Labor umgerüstet: Wo sonst vor allem auf die infektiöse Anämie der Lachse getestet wurde, laufen jetzt Corona-PCRs. Der Wechsel war einfach, erklärte der Tierarzt, „nicht viel Hokuspokus“. Die Infizierten auf den Inseln wurden aufgespürt und in Quarantäne geschickt. (VM)

Gemeinsam durch die Krise
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