Intoxikation | Zuckeraustauschstoff 11.04.2019

Xylit-Vergiftung bei Hunden - wie schlimm ist es wirklich?

Immer mehr Diätlebensmittel enthalten Xylitol. Welche Symptomatik die Tiere zeigen und wie schwerwiegend Hypoglykämie und Leberschädigung sein können, zeigt die Auswertung von 192 Fällen.

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Foto: Ermolaev Alexandr - stock.adobe.com

Xylitol ist ein Zuckeralkohol, der in vielen Produkten als Ersatzstoff für Glukose verwendet wird. Aufgrund seiner langsameren Resorption und geringeren Insulinausschüttung wird es vor allem in Produkten für Diabetiker eingesetzt. Außerdem besitzt Xylitol antimikrobielle Eigenschaften in der Mundhöhle und schützt vor Karies, weshalb es in vielen Zahnpasten, Kaugummis und Mundspüllösungen enthalten ist.

Der Großteil des Xylitolmetabolismus erfolgt in der Leber, wo es zu Glukose umgewandelt wird. Im Gegensatz zum Menschen bewirkt Xylitol beim Hund eine 2,5- bis 7-fach höhere Insulinausschüttung, als es dieselbe Menge an Glukose verursacht.

Doch welche Symptome zeigen die Tiere und werden sie immer hypoglykämisch?

Klinische Symptomatik: Laut einer Auswertung von 192 Fällen zeigten 39 Hunde (20 %) bei Vorstellung folgende Symptome: Erbrechen (13 %), Lethargie (6 %), Durchfall (3 %) und Krampfanfälle (2 %). Zehn Hunde waren hypoglykämisch, die niedrigste gemessene Blutglukosekonzentration lag bei 0,8 mmol/l(15 mg/dl). Hunde, die mit klinischen Symptomen vorgestellt wurden, hatten eine signifikant höhere geschätzte Dosis an Xylitol aufgenommen (Median: 0,49 g/kg; Intervall: 0,12–2,13 g/kg) als diejenigen ohne klinische Symptome (Median: 0,30 g/kg; Intervall: 0,03–3,64 g/kg).

Labor: Die häufigste Abweichung im Serumprofil war ein Anstieg der ALT und/oder ein Anstieg des Bilirubin (21,9 %), gefolgt von Hyper- oder Hypophosphatämie.

Dekontimation: Da die Resorption relativ schnell erfolgt ist eine Dekontamination mittels Erbrechen nur sinnvoll, wenn der Hund noch keine klinischen Anzeichen für eine Xylitolintoxikation zeigt. Aktivkohle bindet Xylitol nur schlecht und ist damit ungeeignet.

Fazit: In dieser Studie kam es nur bei einer geringen Anzahl von Patienten zu Hypoglykämie und Anstieg von ALT und Bilirubin. Ein Leberversagen trat nicht auf.

Das rät das Poison Control Center :

  • Da ab einer Dosis von 0,1 g/kg Xylitol eine Hypoglykämie auftreten kann sollten Patienten, die eine Dosis ≥ 0,1 g/kg aufgenommen haben, stationär aufgenommen und der Blutzucker überwacht werden. Eine Entlassung sollte erst erfolgen, wenn die Blutglukose ohne Supplementation über 30 h im Referenzbereich bleibt.
  • Leber: Ein Leberversagen kann ab einer Dosis von 0,5 g/kg auftreten.

Die Originalpublikation finden Sie hier. ( lp)