Journal Club 10.04.2019

Zearalenon auch in Heupellets

Bei Zearalenon denkt man zuerst an Getreide und daraus hergestellte Futtermittel. Doch auch im Heu kann der Stoff lauern – wie nun ein Fall aus dem Frankfurter Raum zeigt.

Hintergrund
Die Diagnose von Zearalenon(ZEN)-induzierten Störungen kann eine Herausforderung sein, da zum Zeitpunkt des Auftretens der Symptome die problematischen Futterchargen oft nicht mehr verfügbar sind oder die Futtermittelanalyse keine klaren Ergebnisse liefert.

Der Fall
In einem Betrieb mit 200 Sauen traten plötzlich erhöhte Verluste von bis zu 30 Prozent bei Saugferkeln auf. Das klinische Bild wurde von Spreizbeinen und Anzeichen für Hyperöstrogenismus wie geschwollenen und geröteten Vulven bei den neugeborenen Ferkeln dominiert. Mykotoxine wurden als Ursache vermutet. Die Futterchargen hatten seit Monaten nicht gewechselt, mit Ausnahme der Heupellets, die fünf Monate zuvor eingeführt worden waren. Diese machten sieben Prozent der Ration für die tragenden Sauen aus. Das Heu war im eigenen Betrieb erzeugt (erster Schnitt, Mitte bis Ende der Blütezeit; gute Wetterbedingungen) und dann pelletiert worden.

Zunächst wurde ein ELISA durchgeführt. Dieser ergab einen ZEN-Gehalt von > 500 μg/kg. Da Mykotoxine im Heu ein so seltener Befund sind und außerdem das Vorhandensein von Phytöstrogenen im Heu als alternative Erklärung im Raum stand, wurden die Pellets weiter analysiert. Aufgeweichte Pellets wurden mikroskopisch auf die Pflanzenzusammensetzung hin untersucht und keine verdächtigen Pflanzen aufgespürt. Eine massenspektrometrische Analyse der Heupellets ergab 52 von Pilzen stammende Stoffwechselprodukte. ZEN und seine Metabolite waren mit insgesamt 1000 μg/kg nachweisbar, darunter Zearalenon-14-sulfat mit 530 μg/kg.

Aufgrund des geringen Anteils der Heupellets an der Ration blieben Zweifel, ob die schweren klinischen Erscheinungen durch die Heupellets verursacht waren – doch nach Absetzen der Pellets verschwanden die Symptome innerhalb eines Monats.

Schlussfolgerung
Auch Rohfaserkomponenten können erhebliche Mykotoxingehalte aufweisen und müssen daher bei der Futtermittelanalyse mitberücksichtigt werden. Standard-Labormethoden wie der ELISA erfassen nicht alle hormonell aktiven Metaboliten und können daher zu falschen Schlüssen verleiten; die Autoren empfehlen daher Analysen mit chromatografischen Methoden.
CHRISTIANE FETZER

Originalpublikation:
Hennig-Pauka I, Koch FJ, Schaumberger S, Woechtl B, Novak J, Sulyok M, Nagl V (2018): Current challenges in the diagnosis of zearalenone toxicosis as illustrated by a field case of hyperestrogenism in suckling piglets. Porcine Health Manag 4: 18.
DOI 10.1186/s40813-018-0095-4.

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