Der Praktische Tierarzt 30.11.2017

Zentralnervöse Störungen beim Schwein in der Vor- und Mittelmast

Neurologic disorders in fattening pigs

Zusammenfassung
Zentralnervöse Störungen können beim Schwein sowohl infektiös als auch nicht-infektiös bedingt sein. Erste Hinweise auf eine mögliche Ätiologie kann das Auftreten in einer bestimmten Alters- oder Produktionsgruppe geben, da beispielsweise Infektionen mit Streptococcus suis oder Escherichia coli in endemisch infi zierten Beständen nur bei Tieren einer Altersgruppe zu klinischen Symptomen führen. Im Gegensatz dazu können Intoxikationen nach Futterfehlmischungen oder Wassermangel unabhängig von der Altersgruppe zu einem vermehrten und plötzlichen Auftreten von neurologischen Störungen führen. Ein solcher Verdacht ist vor allem dann begründet, wenn nur eine Stalleinheit in Kombination mit einer hohen Morbidität und ggf. auch Mortalität betroff en ist. Bei dem vorliegenden Fall berichtete der Tierhalter von einer technischen Havarie, wodurch die Wasserzufuhr
für etwa drei Tage vor Krankheitsbeginn in dem betroff enen Stall unterbrochen gewesen war. Das Problem war sofort nach Feststellung behoben worden und die Tiere hatten anschließend wieder unbegrenzten Zugang zu Wasser. Ungefähr zwölf Stunden nach der Reparatur der Wasserzufuhr traten erste Symptome wie tonische und klonische Krämpfe, Kreisbewegungen, Schmatzen oder Zähneknirschen auf. Basierend auf histologischen und labordiagnostischen Befunden und nach Ausschluss weiterer infrage kommender Diff erenzialdiagnosen ließ sich die Diagnose Wasserentzugsenzephalopathie/Kochsalzvergiftung stellen. Histologisch konnten in mehreren Schnittlokalisationen des Großhirnkortex Nervenzellnekrosen, ein Hirnödem und multifokale perivaskuläre Ansammlungen von eosinophilen Granulozyten festgestellt werden. Diese Veränderungen sind nahezu pathognomonisch für die porzine Wasserentzugsenzephalopathie.

Schlüsselwörter Wasserentzugsenzephalopathie, Kochsalzvergiftung, Hirnödem

Summary
Central nervous disorders in pigs can be both infectious and non-infectious. First hints of a possible etiology may deliver the aff ected age or production group. For example, infection with Streptococcus suis or Escherichia coli lead to clinical symptoms only at a certain age in endemically infected herds. However, intoxications due to mistakes in diet preparation or water defi ciency can lead to an increased and sudden occurrence of neurological disorders regardless of the pigs’ age. Such a suspicion is particularly justifi ed if only one barn is aff ected in combination with high morbidity and possibly also mortality. In the present case, the farmer reported a technical problem which had interrupted the supply of water for about three days before the onset of illness in the aff ected barn. The problem had been fi xed immediately after detection and the animals had ad libitum access to water again. Approximately twelve hours after the repair of the water supply, fi rst symptoms such as tonoclonic convulsions, circular movements, smacking or bruxism occurred. Based on histological und chemical analysis, the diagnosis of water deprivation/salt poisoning could be made. Neuronal necrosis, cerebral edema and multifocal perivascular accumulation of eosinophilic granulocytes were histologically detected in several localizations of the cerebral cortex. These fi ndings are nearly pathognomonic for the eosinophilic meningoencephalitis.

Keywords
eosinophilic meningoencephalitis, salt poisoning, cerebral edema

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